Mietpreissenkung Staatssicherheit

Es war einmal eine gefährliche Wohnung; mein Vater brachte mich dorthin als ich ein kleines Kind war. Dort sollten später einmal böse Menschen einziehen, Mörder, Brunnenvergifter, Männer, die kleinen Kindern für das Geld der Juden weh tun und Frauen, die Plutonium in die Suppe rühren.

Ein Freund meines Vaters arbeitet auch für die Polizei, für eine fremde Polizei, hieß es. Wir gingen nach Haus. Der Freund, Vormieter des Gesindels ließ die Wohnung verwanzen bevor er auszog. Das hielt er nicht allzu geheim, man sollte es ahnen. Ein Amerikaner, so verriet er meinem Vater, würde dem Gesindel Chips in den Kopf setzen damit sie sich lautlos unterhalten, und genau das hört ein Mann im Nebenhaus dann ab.

Irgendwann erinnerte ich mich an das Zimmer, in dem später zwei Schwestern, scheinbar Töchter des Gesindels, gewohnt hatten. Die jüngere eine lebende Überwachungsanlage wie ich, man konnte durch ihre Augen sehen wie bei einem Kamerakind.

Sie ist jetzt tot. Nie werde ich vergessen, wie schön sie war, dass sie ausgesehen hat wie man sich das in der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts erträumte. Sie war ein wenig wie ich, nur technisch gesehen, am Ende ist ihr unsere Liebe dann doch zum Verhängnis geworden.

Manchmal sprechen mich alte Leute aus Mitteldeutschland auf sie an und weinen.

(Foto BDM Bundesarchiv)

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