Pfarrer Friedrich aus Berlin-Steglitz

Im Jahr 1950 ist der protestantische Pfarrer Friedrich, ein Flüchtling aus Schlesien, mit einer schönen Auslegung der Bergpredigt hervorgetreten.

Friedrich lebte ab 1950 in Berlin und fand seine Wirkungsstätte in der Lukaskirche nahe dem S-Bahnhof Feuerbachstraße. Allseits beliebt und geachtet fiel Friedrich vor allem durch seine lebendigen, phantasievollen Predigten auf. Die CDU wollte ihn deshalb sogar zum Bezirksvorstand berufen aber Friedrich lehnte ab.

Das Pfarrhaus der Lukaskirche erhielt 1953 auf seine Initiative hin eine hübsche Wandmalerei, einen stilisierten bunten Fisch in der Loggia der bis heute zu bewundern ist.

Seine schlesische Herkunft drückte sich unter anderem in einem guten Verhältnis zu den Katholiken aus. Friedrich führte in seiner Gemeinde denn auch vertrauliche Gespräche als feste Institution ein, analog zur Beichte. Man kann diesen edlen Priester einen Studentenpfarrer nennen, immer wieder suchte er das vertrauliche Gespräch mit den jungen Leuten der Freien Universität.

Noch mit fast 70 verliebte er sich ohne seine Ehe zu gefährden in eine deutlich jüngere blonde Frau die er zuvor nie gesehen hatte. Die beiden Frauen kümmerten sich liebevoll um ihn. Gemeinsam kochte man an Feiertagen die guten vegetarischen Gerichte aus Friedrichs Heimat. Pflanzliche Ravioli in Tomatensoße waren trotzdem sein Leibgericht.

In der Rheingaustraße und danach in der Albrechtstraße, schließlich in der Clayallee befanden sich seine Privatwohnungen. Einfache Mietwohnungen, in denen er der Ruhe des Pfarrhauses zu entfliehen und das vertrauliche Gespräch mit Gästen aus aller Welt zu pflegen vermochte. Fotografieren ließ er sich nicht so gern.

Bekannt war der Bartlose für seinen Humor. Wenn er wie in der oben abgebildeten Auslegung der Bergpredigt die Anrede „Ihr Armen“ hervorhob so hatte das einen Hintersinn. Friedrich war ein Schalk. Gewalt lehnte er ab. Eine seiner Schrullen war es, ständig an Preisausschreiben teilzunehmen.

1961, kurz vor dem Mauerbau zog Friedrich in die DDR wo er bald darauf starb. Er ruhe in Frieden.

(Foto Lukaskirche Muns, Lizenz)

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