Mietpreissenkung Schokoladentraum

Der Mörder war recht nett zu mir, ein wenig hat er die Tendenz gezeigt mich zu unterdrücken, unmerklich zu nerven. Er kochte zum Beispiel die ganze Zeit in der wir zusammen gelebt haben, hatte darauf ein Monopol.

Seine „Rezepte“, ja selbst der Inhalt seines Kühlschranks, von seiner Einrichtung und seinen Lieblingsbeschäftigungen abgesehen, erinnerten gespenstisch an mich selbst. Er war fast schon ich und er war mein Freund.

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Kennung meines alten Blogs (2015/16)

In der Nacht hörte ich ihn einmal weinen. Die lange Zeit im Gefängnis (er war eh nie wirklich erwischt worden) saß ihm in den Knochen. Leise drang das Geflenne in mein Zimmer; ich nahm wahr, dass er das Gefühl hatte, ich hätte ihm seine Schokolade aus dem Küchenschrank geklaut. So sind Berufsverbrecher; sie haben ein Herz.

Unter Tags fuchtelte er ja mit Hanteln herum wie die Panzerknacker in den Zwanziger Jahren. Seltsame Bücher waren seine Lektüre, alter linker Kram aus westdeutschen Verlagen, vollgestopft mit Zetteln, die eine glühende Liebe zu Deutschland bekritzelt hatte, schien es.

Finanzielle Abrechnungen seiner Großtaten hatte der Kerl an die Wand gepinselt, überall. Er konnte wahrscheinlich nicht mehr. Ich ging aufs Klo und starrte eine solche Abrechnung an.

Als ich zurückkam vom Klo war der Mörder aufgewacht. Er hörte Radio um nicht allein zu sein, wir sprachen kein Wort.

 

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