Franziska Hoffmann über Zschäpes Schicksal

Diesen April hatte ich Gelegenheit, mit Franziska (geb. Birkmann, genannt „Francy“), der Lebensgefährtin von Karl-Heinz Hoffmann, über das Schicksal von Beate Zschäpe zu sprechen. Francy hat in den 80er-Jahren die schweren Zeiten der unschuldigen Verfolgung von Karl-Heinz tapfer überstanden, Herz und Treue bewiesen. Bis heute ist sie an der Seite ihres Mannes, meidet aber die Öffentlichkeit.

Ein Interview mit ihr ist noch nie erschienen. Ich gebe es hier auf der Basis eines Gedächtnisprotokolls wieder.

Mayr: Hallo Franziska, danke, dass du Zeit hast. Wie wird der NSU-Prozess ausgehen, was sagst du?

Franziska: Du hast Fragen. Zschäpe wird verurteilt, lebenslänglich, das ist klar. Du bist ja auch nicht unbeteiligt daran, hast den Götzl nutzlos gereizt. Der verknackt sie jetzt.

Mayr: Nana, du wieder mit deinem Konformismus. Eine solche Haltung entsteht zwangsläufig, wenn man sich dem Bayerischen Landesamt unterwirft und in den Postwurftsendungen jeden Morgen seine Mitteilungen studiert (lacht).

Franziska: Nicht frech werden (lacht auch), ich werde es zu verhindern wissen, dass du ewig hier auf Ermreuth herumlungerst und deinen grauslichen Seim los wirst. Aber zurück zum Thema. Junge Leute wie du kennen das Gefängnis nicht, die Zähigkeit der Justiz. Da muss man brav sein, geht nicht anders. Zschäpe hätte braver sein können.

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Beate Zschäpe hat diesen Sommer nichts zu lachen

Mayr: Wie meinst du das?

Franziska: Sie hätte zurückhaltender auftreten können. Was man so hört hat sie dem Götzl im elektronischen Gespräch allerhand Tobak spendiert, er mag es verdient haben, nur jetzt hat sie den Salat. Und, wie gesagt, eure Provokationen haben einen Kompromiss verhindert.

Mayr: Wie hätte ein solcher Kompromiss aussehen sollen?

Franziska: Mein Gott, sie wäre halt wie weiland bei der RAF zu lebenslänglich verurteilt worden und dann nach 20 Jahren herausgekommen, Hafturlaub und Selbstverwirklichung im modernen Damenknast inklusive. So geht sie in die Sicherungsverwahrung, damit der Götzl ja Recht hat.

Mayr: Er hat aber nicht Recht. – Franziska, wie geht es Beate?

Franziska: Wie soll es ihr gehen. Man kann ausgleichend auf sie einwirken, damit keine Katastrophen passieren, ihr Mut zusprechen, ihr Dasein in geordneten Bahnen halten. So ist das Leben.

Mayr: Ach so, du kennst sie ja nicht (lacht). Und du? Wie sieht deine Zukunft aus?

Franziska: Wir sind erzogen worden zu träumen. Das echte Leben ist hart wie Schwarzbrot vom letzten Winter, und ich denke, das soll es auch sein. Es war immer so und es wird immer so bleiben.

Mayr: Danke, Franziska, für dein erstes Interview.

 

(Foto: Uwe Mundlos, privat)

 

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