Zur Opferauswahl beim Oktoberfestattentat

Text des Artikels zunächst durch die Behörden gelöscht, heute 14 Uhr wiederhergestellt (Mayr)

Ein ausgesprochenes Tabu bei der polizeilichen, aber auch der „medialen“ Behandlung des Oktoberfestattentats bildet die so genannte Opferauswahl. Zunächst möchte man glauben, dass diese angesichts der scheinbar wahllosen Brutalität des Anschlags weitgehend zufällig gewesen sein könnte. Ein Dutzend Tote und hunderte Verletzte, was soll daran System sein. Bei dieser Ansicht handelt es sich allerdings um einen gewaltigen Irrtum, wie wir gleich sehen werden.

Ein großer Teil der Opfer sind Kinder und sehr junge Leute. Wir finden als Tote die beiden Platzer-Geschwister, ein 18-jähriges Mädchen und einen weiteren, noch jüngeren Teenager. Wie beim Anschlag von Bologna befinden sich unter den Münchner Toten zudem Leute „ohne Gesicht“ (seltsame Ausländer, die sich nicht recht zuordnen lassen), zwei jüngere Männer, die als Schwule galten, eine Prostituierte mit Verehrer sowie zwei erwachsene Männer.

Zur Erarbeitung eines Erklärungsansatzes für die Opferauswahl könnte man – unter Vorbehalten – die zeitgenössische Presseberichterstattung mit ihrem geheimdienstlichen Subtext heranziehen. Ich habe hier schon ausgeführt, dass die Regionalpresse und die Yellow Press damals die verdeckte Öffentlichkeitsarbeit für die CIA und die angehängten israelischen Sümpfe gemacht hat, und zwar vor allem über die Rotwelsche Bildersprache, in der zum gemeinen Vertrauensmann gesprochen wurde.

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Abgeschlachtetes Opfer. „Quick“ vom 2.10. 1980, S. 20f.

Sehen wir uns die „Bunte“ (ausführliche Analyse der relevanten Ausgabe folgt) von damals an. Dort steht, in Kurzfassung, auf Rotwelsch, dass alle Opfer an Geheimdienste angebunden waren, die beiden älteren Männer die Kinder belästigt und missbraucht, der Freier über Blutgeld der Prostituierten gesprochen, die beiden Schwulen einander ausgespäht und strittig geworden wären und die Teenager über unbestimmte Geheimnisse gequatscht hätten.

Kann das hundertprozentig wahr sein? Natürlich nicht. Wir sehen hier eine Art populäre Verzerrung der Motive für die Opferauswahl, eine Verzerrung, die das Verbrechen für vulgäre V-Leute nachvollziehbar machen soll. Ältere Herren, die Kinder anfassen und dann quatschen, eine Prostituierte, die ein paar Morde auf dem Gewissen hat und deren Macker plaudert, ein paar Schwule, die keifend zu einem Sicherheitsrisiko werden, Ausländer und quatschende Teenager, die verschwinden.

Gezeichnet wird in der Gegenöffentlichkeit der CIA ein Bild von einem Geheimdienstmilieu, das „bestraft“ wird, im Grunde für seine Verkommenheit. Nur: Die Zusammenhänge stimmen nicht. Die Platzer-Kinder sind nicht von den älteren Herren belästigt, schon gar nicht in die Kinderprostitution eingespannt worden, und die Teenager waren keine Geheimnisträger im eigentlichen Sinn. Die „Schwulen“ schon gar nicht, es ist nicht einmal klar, ob sie überhaupt homosexuell waren.

Hier werden tiefere Geheimnisse durch ordinäre Geheimniskrämereien verdeckt, wie das bis heute üblich ist in der durch die Presse gefütterten Schweineelite der Geheimdienste. Ich werde mich bemühen, in den kommenden Tagen die Opferauswahl des Oktoberfestattentats zu klären, auch damit die belastenden Legenden, die zum Beispiel Ignaz Platzer bis heute nachhängen, endlich verschwinden.

 

(Dokumente: Burda-Verlag und Arbeitskreis NSU)

 

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