NSU: Abenteuer im Café Mosaik

Ende der 90er, als unser Affe Mayr in Berlin herumstromerte und der NSU seiner offiziellen Gründung entgegenging, wurde es heiß bei der Offenlegung jener Strukturen, die Giftmorde an unliebsamen Männern begehen, Klein Eß der Geheimdienste mit brutaler Gewalt verteidigen und den Türken in ihrem Krieg gegen die PKK unter die Arme griffen.

Normalerweise lungerte ich damals mit Freunden in Kaffeehäusern herum und quatschte halbautomatisches Rotwelsch um die Juden, Türken und mordlustigen Weiber zu verunsichern, immer hart an der Grenze, als Feind liquidiert zu werden.

Eine wichtige Station dieser Aktionen war das Café Mosaik in Berlin. Nur: Dort wurden gar keine Morde organisiert, befohlen oder ausdiskutiert, dort herrschte nur ein Scheinbetrieb, den irgendwelche Geisteskranken aus dem Altbestand der Staatssicherheit aufgezogen hatten, um so genannten Feinden des Sozialismus das Fürchten zu lehren.

Das wurde so umgesetzt, dass die damaligen Mitarbeiter des Kaffeehauses, insbesondere der hilflose und für das Gastgewerbe ungeeignete Geschäftsführer, im Glauben gelassen wurden, sie seien in zionistische Netzwerke eingebunden und trügen die Schuld an Morden. Der Name des Lokals tat ein Übriges.

Unbenannt
Typische arische Kellnerin mit durchstoßenem Herzen auf dem Rücken. Sie ist nicht zu mager und lächelt sympathisch

Ich ließ mich dazu hinreißen, das üble Spiel mitzuspielen und den Geschäftsführer damit zu verarschen, ihn eine meinerseitige noble Deckungsabsicht erkennen zu lassen. Ich trat in meinem Übermut als derjenige auf, der seine „Verbrechen“ (die ja nicht existierten) geheimhalten und den Verdacht auf andere abwälzen würde.

Der Mann begann mich zu hassen. Wenn ich wieder einmal grinsend ein kleines Wurstfrühstück bestellte und duldsam in die Augen seiner feschen arischen Kellnerin glotzte, schnauzte der Kerl zum Beispiel meinen Sitznachbarn (und meinte mich) an, er sei nicht Jesus und nicht Mohammed und solle sich gefälligst zurücknehmen.

Dass der ganze Kram im Café Orange in der Oranienburger Straße organisiert wurde konnte sich der naive Mann nicht vorstellen. Es wäre ihm zu „auffällig“ erschienen, dabei kümmerten sich die dortigen Nichtarier einen Scheißdreck um Unauffälligkeit.

Ich möchte mich heute bei dem Mann entschuldigen, wenn er noch lebt.

 

(Mitarbeit: Antikommunistisches Kollektiv Mercedes)

 

 

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