Ein Kampfauftrag des NSU, Teil 2

Frühling 2008: Mundlos und Böhnhardt durchstreifen scheinbar ziellos Thüringen und beobachten „zufällig“ äußerlich völlig unbedenkliche Geheimtransporte vergifteter Waschmaschinen. Ich lauere am Rechner in Berlin und erhalte einen Auftrag für ein Sachbuch mit dem Titel „Wildgemüsenutzung im Dritten Reich in Thüringen“, da erhalte ich einen Anruf mit der Nachricht: Ihre Tochter wird sterben.

Fortsetzung von Teil 1.

Als „Ingenieur“ von Böhnhardt, der den Druck der Illegalität nicht so gut vertrug, hatte ich schon 1998 ein paar Magenschmerzen zu erdulden gehabt. Mit meinem durch eine Kindheit aus Stein geformten Gefühlsleben federte ich auch 2008, über Mikrochips und Funksender in unseren Hirnen, seine begründete Todesangst im Kampf ab. Ich saß ja noch in der warmen Stube.

42FA6D1D-45E7-41EF-BDF1-060555BF56FC

Böhnhardt war damals, Frühjahr 2008, vor einer Postfiliale in Eisenach zwei Frauen begegnet, die einige große Pakete aufgeben wollten in denen sich Waschmaschinen für Bulgarien befanden. Die Weiber hatten einige wasserführende Teile der Geräte mit einem giftigen Lack bestrichen, der beim Nutzer Krebs auslösen hätte sollen.

Gerry (so Böhnhardts Spitzname. Ich wollte, er lebte noch) war schon immer ein frecher Kerl gewesen, wie ich. Als echter NSU-ler quatschte er die zwei Weiber, wie ich es auch oft gemacht hatte, direkt als Mörderinnen an und grinste dazu. Die zwei Mordhexen erstarrten zu Salzsäulen, überlegten kurz, ob sie Gerry wegen sexueller Belästigung anzeigen sollten und brachten den Kram unverrichteter Dinge zum Schalter.

Nach einem kurzen Imbiss fuhr Gerry im geliehenen Skoda los und geriet sofort in eine Polizeikontrolle des Gegners. Mit den Polizisten in Thüringen ist nicht gut Kirschen essen; der Beamte machte Gerry klar, dass ihn die Amis für sein Gequatsche umgehend kalt machen würden.

Wie es in der Welt der Geheimdienste so ist war Gerry tödlich bedroht und alles war vorher schon geplant. Die Münchner Juden, die den Gifttransport (so etwas ist übrigens eine Massenerscheinung, Gerrys Witz war aufs Allgemeine gerichtet) organisierten, hatten zugestimmt Gerry zu schonen und dafür den Herrn Ingenieur an seinem Schreibtisch in Haftung zu nehmen. Also mich.

Ich hatte Gerry schließlich den Tipp gegeben, wahrscheinlich bei einer Partie Online-Schach oder so. Alles muss das BKA ja nicht wissen.

Ich bekam im Folgenden die Todesangst als (leicht fremdelndes) Gefühl und reale tödliche Schwierigkeiten. Und damit es ein wenig spannender wird für den Herrn Ingenieur Mayr (ihn selber zu treffen ist nicht ganz so einfach) ging man auf seine Tochter los. Als ich den Sachbuch-Auftrag mit der Wildgemüsenutzung öffnete, klingelte das Telefon, die Tochter sei mit einer unheilbaren, tödlichen und unvorstellbar qualvollen Erbkrankheit diagnostiziert worden.

Fieberhaft überlegte ich, was man mir mit dem Titel des Auftrags sagen wollte. Im ersten Atemzug fiel mir Rotwelsch ein: Wild (ich bin zornig) Gemüse (der Spitzname einer zauberhaften Hexe, die Vegetarierin ist) nu Zung (jetzt halt die Schnauze) in Thüringen. Die mir bekannte mehr als fesche Dame wollte mir sagen: In Thüringen ist jetzt Schluss mit dem Gequatsche.

Nutz Jung. Das hast du jetzt davon.

Ich richtete mich, ein wenig nervös, auf das Leben für ein kleines todkrankes, langsam aber sicher qualvoll verreckendes Kind ein, das war mein Kampfauftrag. Gerry war frei für weitere Schandtaten.

Ende von Teil 2

Teil 1

Teil 3

 

(Mitarbeit: Hexenkollektiv Rote Ernte)

(Bild: Aroche, Lizenz)

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s