Dönermorde: Der Hass der kleinen Leute, Teil 1

Bei der Durchsicht der Dönermord-Akten fällt ein Umstand auf, der nicht recht zu den gängigen Klischees über Geheimdienstoperationen passen will: Die massive Gewaltanwendungen gegenüber vergleichsweise harmlosen, unbedeutenden Personen. Diese Gewaltanwendung lässt sich in kriminalistischer Hinsicht (vor dem Hintergrund der polizeilichen Ermittlungsergebnisse) ohne weiteres mit scheinbar banalen Plaudereien und erotischen Affären fundiert in Zusammenhang bringen.

Es ist genau dieser scheinbare Widerspruch, der sich bis 2011 nicht auflösen hat lassen und der die Behörden dazu verleitet hat, die Legende von einer nationalsozialistischen Mordgruppe zu erfinden.

Warum?

Weil im Machtbereich der Geheimdienste die einfache materielle Versorgung und die Zuteilung von zwischenmenschlicher Aufmerksamkeit viel brutaler verteidigt und abgedeckt werden als „das große Geld“. Mit einem einflussreichen Verteiler geheimdienstlicher Ressourcen lässt sich viel leichter auskommen, und ihn zu behelligen ist viel ungefährlicher als einen kleinen V-Mann wirtschaftlich zu stören.

Ohne Titel
Kampf bis auf Messer um ein paar Euro. Aus den Akten zum Fall Kilic (Mordkommission München)

Ich habe hier nicht zufällig die einfache materielle Versorgung der kleinen Leute und die Zuteilung zwischenmenschlicher Aufmerksamkeit in Zusammenhang gebracht. Die Welt der Geheimdienste ist archaisch (nicht nur das Rotwelsch, ihre Sprache), dort wird emotional und materiell auf der nackten Erde gelebt. Zersetzung auch wirtschaftlicher Art ist immer eng verknüpft mit intimem emotionalem Terror, körperlichem Verfall, mit privaten Revierkämpfen und einer alles überdeckenden, lähmenden Angst, im besten Fall mit stummer Trauer.

Sehen wir uns die Dönermord-Unterlagen an, dann wird klar: Hier hat man auf privater Ebene Geheimdienst-Tabus verletzt und die übergeordneten Instanzen haben der Panik der kleinen Leute (wohl aus Angst vor Kontrollverlust) nachgegeben. Der Ray (Blitz), wie die Geheimdienstler sagen, hier die Tötung Unbedeutender, verstehe ich auch als Zugeständnis an die archaischen Angstreflexe von kleinen V-Leuten, insbesondere von Frauen.

Die Geheimdienste nutzen die archaischen Aggressionen von Frauen viel geschickter aus als die Kirche es je vermocht hat. Ein wesentlicher Teil des NSU-Komplexes geht auf diesen Umstand und seine Folgen für die Kontrollierbarkeit weiblicher V-Leute zurück.

In den nächsten Zwei Teilen dieser kleinen Serie werde ich solche Mechanismen anhand von konkreten Ermittlungsergebnissen der Polizei darstellen. Und bitte nicht wundern: Diese Tat- und Motivebenen widersprechen nicht der Tatsache, dass die Dönermorde auch Ausdruck des Kampfs türkischer Kräfte gegen die PKK in Deutschland waren, auch nicht dem Umstand, dass der NSU ein Projekt zur Aushebelung industrieller Mordstrukturen war.

Ende von Teil 1

 

(Dokumente: NSU Leaks)

 

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