Eiweißvergiftung auf der Bildungsreise, Teil 1

Unser Affe, der Chipjunge Dell, musste während seines verpfuschten Lebens in mühsamer Langeweile (so viel Mühe machte es auch wieder nicht) einem unterirdischen Hexengezücht als lebende Überwachungskamera dabei zusehen, wie es seinem mörderischen Handwerk nachging.

Ähnlich wie in den Alpträumen des neuenglischen Dichters H.P. Lovecraft konspirierten noch in Dells Kindheit aus dem Mittelalter mitgeschleifte „Myzele“ aus ländlichen, Rotwelsch quatschenden Mörderinnen und Witwentröstern; sie fanden ihre eiskalte Erfüllung in der Ausführung von Mordaufträgen der CIA.

Ich schildere Ihnen heute, wie Dell seine eigene Mutter beim lakonischen Eingeständnis eines Mordversuchs, vielleicht nur einer todbringenden Einschüchterung, beobachtete.

Lassen Sie uns, lieber Leser, den Tagesablauf vor Dells dienstlicher Wahrnehmung rekapitulieren.

Zwei Muscheln

Der Chipjunge stand an diesem Tag „früh“ (es war neun Uhr) auf; seine Mutter schien von einer so genannten Bildungsreise zurückgekehrt. Solche Reisen wurden vom Lehrerverband spendiert und sollten der geistigen Erhebung pädagogisch angehauchter Provinzweiber dienen. Tatsächlich waren diese Reisen Orgien der Rotwelschen Konspiration.

Dells Steuermann Franz hatte schon länger die Schnauze voll. Sein „Bua“ schien sich merkwürdig zu entwickeln; ein ungutes Genom vom Großvater war schlagend geworden, man hatte dem spätbubertierenden ferngesteuerten Burschen einen Schnitt in den Bauch und eine vollkommen überflüssige OP unten rum verpassen müssen auf dass er sexuell Ruhe gab und nicht alles durch seine Blödheiten verdarb.

Kontakte zu Mädchen hätten seinen Auftrag in Gefahr gebracht. Trotz allem, trotz unmöglicher Kleidung, lächerlicher Haare und einem altmeisterlichen Sprachstil (der noch von seinem ersten Steuermann Waggerl herrührte) waren am Tag vor dem Mordeingeständnis heftige Hormongaben und ein halber Liter künstlich provozierter Achselschweiß notwendig geworden, um die ihn umwerbenden Damen abzuschrecken.

So lungerte der Siebzehnjährige auch an diesem Tag nach dem Frühstück (es war Sonntag) unmöglich gekleidet in perverser Selbstgefälligkeit auf der Eckbank wie ein Riesenbaby um den Frühstückstisch herum (das brachte er buchstäblich zustande) und riß abschätzige, professorale Witze über die „albern verkrampfte“ Prosa von Robert Musil.

Sein sozialer Vater vermied es schon lange, mit ihm am Tisch zu sitzen; er nahm das Frühstück stehend im Nebenzimmer ein. Seine biologische Mutter fraß ein fettes Müsli – neben ihrem „Sohn“.

Die neue Überwachungskamera im Frühstückszimmer, das in einer Art Aldi-Landhausstil eingerichtet war, nervte Franz bis aufs Blut. Warum? so fragte er, warum nur?! why, my boy??! muss ich diesen Lümmel jetzt auch noch von der Seite anschauen.

Der Programierer der CIA hatte ihm eine Art Bild-in-Bild-Funktion eingerichtet, die ihn dazu zwang, oben rechts im Gesichtsfeld des unguten verstümmelten Riesenbaby-Machos auch noch eine Kuckucksuhr und den Rotzer selber zu sehen.

Franz kotzte wieder fast über seinen Monitor (’s G’raffel war damals noch nicht so rückstandsfrei abwischbar wie heute), als er das beiläufige auf Rotwelsch vorgetragene Eingeständnis der Mutter der Rotzers vernahm; dieser selbst grinste ein wenig und überlegte, welche billige Frauen-Zeitschrift er in den kommenden Stunden mit aufs Zimmer nehmen sollte.

Ende des ersten Teils.

 

Teil 2

(Foto: Darkone, CC BY-SA 2.0)

 

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