Apes erster Einsatz, Teil 4

Hier sind die ersten drei Teile der Erzählung vom ersten Einsatz unseres Affen, bei dem er einer Auftragsmörderin der CIA zusehen muss, wie sie im ländlichen Idyll eines österreichischen Wintersportorts einen Touristen wegmacht.

Eins, zwei, drei.

Regunglos steht Dell (unser Affe), den Chip im Kopf und Franz, seinen Steuermann, am Monitor im Kastenwagen, auf der Schwelle des Wirtschaftsraums im besten Hotel am Platz. Er starrt auf eine Waschmaschine im Eck; Loisi keift dem Jungen ins Gesicht, er soll ja nicht hereinkommen. Franz löscht dem Jungen die Angst vor der schlaksigen, großen Frau und steuert Dell auf die Waschmaschine zu.

Loisi wird nicht zornig, sie beschließt, einfach aufzupassen, dass der Bub kein Blei abbekommt und schüttet den Inhalt einer kleinen Brausepulverpackung in den Waschmittelbehälter der Maschine.

Der Tourist soll eine Bleivergiftung haben, für alle Fälle, damit man das eigentlich tödliche Gift nicht nachweist.

Dass Loisi den Lohn für ihre Tätigkeit (Jahr – ess – wechsel) von Münchner Juden bekommt, weiß sie 1980 noch nicht.

Es staubt ein wenig; Franz an seinem Monitor erstarrt vor Angst und weint leise, Dell spürt, dass da irgend etwas flau wird im Magen, da ist es schon wieder weg (Franz löscht auch den letzten Rest des Angstimpulses, und Dell wird fast empfindungslos davon. Das Gefühlsleben der beiden wird  erst Jahrzehnte später dauerhaft technisch getrennt werden).

Unbenannt
Die Leberkässemmel – bevorzugtes Nahrungsmittel gestresster Steuermänner

Während Franz seine letzte Leberkässemmel an diesem Vormittag verdrückt, überlegt  Loisi, wie sie das eigentlich tödliche Gift „an den Mann bringen“ soll. Sie kennt die Zimmernummer, und sie weiß, dass sie den Mann mit Schnaps töten soll. Dass das eine ungünstige Tötungsvariante ist, erkennt jeder, nur werden solche Tötungsvarianten untergeordneten V-Leuten gern aufs Auge gedrückt, damit man sie leichter erpressen kann.

Man sieht: Mit Plausibilitätserwägungen braucht man den Diensten nicht zu kommen.

Sie wird es so machen: Einfach das Zimmer Nummer 25 betreten, wenn sie Lärm durch die Tür wahrnimmt, den Schnaps auf den Tisch stellen und „Prosit!“ sagen.

Franz kotzt im Kastenwagen. Dell starrt jetzt auf die Hände von Loisi.

Wenige Minuten später sitzen Dell und Loisi in der kleinen Personalkantine, die praktisch eine Teeküche ist. Am liebsten würde der Steuermann seinen Monitor und alles andere, sein ganzes Leben, im Stich lassen und den Jungen aus seiner steinernen Hölle befreien; er tut es aber nicht und hofft, dass Loisi dem Kind nichts ins Wasser tut. Himbeersaft gibt es in der „Kantine“ nicht.

Wie man die 35 Minuten des bleinernen Waschgangs überstanden hat erfährt die Führung der CIA nie. Franz denkt an irgendwelche feschen Weiber; Loisi schäkert mit einem Bauarbeiter im Hof, sie ruft ihm unanständige Witze durchs Fenster an seine Mischmaschine. Dell empfindet nichts; er hat drei spanische Münzen vor sich liegen, die ihm die Tante geschenkt hat und vergleicht die identischen Fressen des spanischen Königs.

Armlange Handschuhe bewahren Loisi vor einer Bleivergiftung; die Wäsche (es ist bloß der Überzug eines Kopfkissens und ein paar Socken, die sie aus dem Zimmer Nummer 25 entwendet hat) soll jetzt über dem Heizkörper trocknen. Danach vergehen wieder fast zwei Stunden, die für die CIA nie wirklich aufklärbar sein werden.

Loisi geht ins leere Zimmer Nummer 25 und überzieht das Kissen. Alles andere ist später aus Dells Kopf gelöscht worden. Er kann deshalb nicht mehr darüber berichten.

Ende des letzten Teils.

 

Teil 1

Teil 2

Teil 3

(Bild Leberkäse: Kobako, CC BY-SA 2.5, bearbeitet)

 

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