Apes erster Einsatz, Teil 2

Der ferngesteuerte Mensch Ape, fünf Jahre alt, war am Morgen nicht in den Kindergarten sondern zu einer Auftragskillerin, Freundin seiner Mutter, geschickt worden. Dort sollte er, vorgeblich wegen einer Erkrankung, den Vormittag verbringen. In Wirklichkeit steuerte ihn sein Chef Franz im Rahmen eines Beobachtungsauftrags ins Haus der Mörderin, weil die Abwicklung eines Mordauftrags dokumentiert werden sollte.

Mayr
Zehn Jahre Mayr – Augen auf bei der Berufswahl

Dell hatte nur noch ein flaues Gefühl im Magen, als er von seiner Mutter bei der zwielichtigen, resoluten Dame abgeliefert wurde. Die Kotzerei und die Todesangst waren Franz zu viel geworden; das Schickdsal des Kindes lag ohnehin in Gottes Hand, schließlich war niemand da, der den Jungen retten hätte können, wenn die Zwielichtige grantig geworden wäre.

Trotzdem hatte sich der auch an diesem Tag Leberkäse futternde Steuermann vorgenommen, im Ernstfall den Kastenwagen zu verlassen und Dell „herauszureißen“. Das hätte ihm freilich das Leben gekostet, er wäre kurzerhand von den eigenen Leuten liquidiert worden.

Der kleine Kastenwagen stand nur etwa einhundert Meter neben der Sozialwohnung der mörderischen Putzfrau, vor einem türkisch aussenden Badehaus; Loisi, wie diese von ihren Bekannten genannt wurde, kannte Franz vom Sehen, ihr war klar, dass er durch die Augen des Kindes hindurch praktisch bei ihr im Zimmer war.

Auch Loisi wusste, dass man diesen Vormittag beobachten und dokumentieren würde. Die Frau hatte immer schon gute Nerven gehabt; bei Trinkgelagen soff sie regelmäßig die härtesten Männer unter den Tisch und kommentierte deren Zusammenbruch dann auch noch ironisch, nicht ohne danach ein „Fraggei“ (einen Viertelliter) Schnaps zu bestellen und in Ruhe auszutrinken.

Dell und Franz, die beiden unzertrennlich Verbundenen, mochten Loisi. Ihre erfrischend lakonische Art und ihre Trinkfestigkeit standen in einem gespenstischen Gegensatz zu ihrem doppelbödigen Beruf als Putzfrau in Nobelhotels und als Auftragskillerin der CIA.

Später ist Loisi bei einem zweifelhaften Autounfall umgekommen; die verlogenen Vorgesetzten werden ihrer sympathischen Art wohl irgendwann überdrüssig geworden sein.

Doch zurück zu Apes erstem Einsatz.

Kreuzworträtsel
Werbeanzeige in einer Lokalzeitung, September 1980

Wir befinden uns im Jahr 1980. Ape muss den Vormittag neben einer Auftragskillerin überleben. Diese schenkt ihm Himbeerwasser ein, billigen Dicksaft mit Leitungswasser, und sie fordert ihn dazu auf, ein wenig Ruhe zu geben. Franz will sehen, was Loisi so macht, um ihre Informationsquellen und ihre Mordvorbereitungen mitverfolgen zu können.

Siegfried (ach so, ich sollte sagen Ape) drückt sich um Loisi herum und quengelt ein bisschen; er wundert sich über sein Verhalten, da er gern Ruhe geben würde. Franz wuchtet ihm aber jedesmal, wenn er sich abwenden und anderen Dingen (zum Beispiel dem Kinderspielzeug am Boden) zuwenden will, eine kräftige Hormondosis ins Gesicht, so dass er immer weiter auf Loisi starrt.

Loisi nimmt das gestörte Verhalten des Kindes hin und löst scheinbar beiläufig ein Kreuzworträtsel. Sie greift einen schwarzen Kugelschreiber und trägt die Lösungsworte ein. Ihre Aufgabe ist es, die Anzeige neben dem Kreuzworträtsel zu studieren und daraus Details ihres heutigen Mordauftrags zu entnehmen.

Plötzlich macht sie Anstalten, aufzubrechen; das Kind nimmt sie mit. Im nächsten Moment klingelt das Telefon, wie zufällig spricht Loisi noch vor dem Verlassen der Wohnung mit dem Chef des besten Hotels am Ort, ihrem Arbeitgeber, packt den Affen am Kragen und lenkt ihr kleines Auto zum Hotel.

Ende des zweiten Teils.

 

Teil 1

Teil 3

Teil 4

(Bilder Innerhofer: Sepp Dreißinger und Unbekannt – bitte melden. Bearbeitet)

 

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