Altmodischer geheimdienstlicher Kram

Ich werde im Folgenden versuchen, eine altmodische Routine der Geheimdienste öffentlich vorzuführen und damit der Lächerlichkeit preiszugeben. Diese Routine besteht darin, scheinbar normale Fernsehsendungen als Medium geheimdienstlicher Kommunikation zu benutzen.

Seit es das Fernsehen gibt, wird das gemacht. Man flicht einen rotwelschen Subtext in eine Sendung ein und informiert so konspirativ eine ganze Gemeinde von V-Leuten über öffentlich zugängliches Material.

Damit das funktioniert, muss eine solche Sendung in der oberflächlichen Aussage möglichst weit entfernt sein vom geheimdienstlichen Subtext. Beispielsweise kann eine scheinbar engagierte antifaschistische Sendung dazu benutzt werden, der versammelten geheimdienstlichen Fernseh-Gemeinde den Anschiss eines einzelnen V-Manns wegen einer bestimmten Verfehlung mitzuteilen.

Ulrich Chaussy hat im Jahre 2015 eine Fernsehsendung produziert, in der es scheinbar um die Aufklärung des Oktoberfestattentats geht. Tatsächlich geht es dort nicht um eine solche Aufklärung, was schon daran ersichtlich ist, dass nichts aufgeklärt wird obwohl das (wie in diesem Video bewiesen) ohne weiteres möglich ist.

Der Film ist in Wirklichkeit eine interne geheimdienstliche Abrechnung. Antifaschismus und scheinbar aufklärerisches Engagement sind bloß seine Tarnung und notdürftiger Oberflächentext für unbeteiligte Zuschauer. Die Sendung beginnt mit dem folgenden Bild:

BR, Fernsehen: Ulrich Chaussy präsentiert straffrei die Akten zum Oktoberfestattentat
BR, Fernsehen (2015): Ulrich Chaussy präsentiert straffrei Akten zum Oktoberfestattentat

Was ein normaler Fernsehzuschauer ist (aber wer schaut sich so etwas schon an), der sieht hier einen älteren linksradikalen Herrn einen alten Aktendeckel öffnen. Wer ein wenig Rotwelsch kann, der liest dieses Bild anders.

Zunächst wird deutlich, dass es um eine Beziehungskiste geht. Wir sehen in der linken oberen Ecke eine Hand (hant = bitter) und die Buchstabenkombination BR (b – r = eine Liebesbeziehung hat er). Es geht um die bittere Liebesbeziehung eines Agenten. Die wird hier thematisiert und in ihrer Bitterkeit als Strafe definiert.

Betrachten wir weiter das vorgestellte Aktenblatt (ich analysiere hier nicht alles, schon aus Rücksicht auf den Betroffenen und seine Geliebte). Ganz oben ist zu sehen, dass der Schriftzug Bayerisches Landeskriminalamt teilweise durch den Bildrand abgeschnitten ist (eine beliebte Methode, rotwelsche Wortbruchstücke zu kommunizieren).

Das B ist aus dem Bild geschnitten; damit wird das Ende der Beziehung (b) als Quittung (bil – d = deine Quittung) für ein bestimmtes Verhalten bestimmt. Übrig bleibt ayerisches = A.Y. – er – i – sche – s = über A.Y. soll er nicht mehr sagen, er hätte was mit ihr gehabt.

Es ist also eine Liebe zu verschweigen. Wer A.Y. ist braucht keiner zu wissen (die CIA wird es genau wissen, sie kennt ihre eigenen Leute), auch das Landeskriminalamt und die 00084 analysiere ich hier aus Rücksicht nicht.

Wie der Leser bemerkt hat ist es mir gelungen, den betroffenen V-Mann, der in diesem Film niedergeknüppelt wird, ausfindig zu machen. Dessen Privatleben geht andere einen Scheißdreck an, auch Herrn Chaussy, und ich teile hier (mit der Einwilligung des Betroffenen) nur das Nötigste mit.

Im Zentrum des Aktendeckels steht das Wort BILDTAFEL = bil – d – t – af – el = hier wird dir die Rechnung präsentiert dafür, dass du dich gegenüber deiner Dame als Agent geoutet hast (du Affe, scherz. Anm. Mayr).

Wir fassen zusammen: Mit dem Eingangsbild des Films wird dem Zuschauer auf Rotwelsch bekannt gegeben, dass der zu maßregelnde V-Mann eine bittere Liebesbeziehung hat, dass man ihm die erotische Suppe versalzt, weil er sich gegenüber einer Dame verplappert hat.

Der Leser, sofern er diesen Kram nicht eh schon seit Jahrzehnten gewohnt ist, mag sich jetzt fragen, wie die Bayerische Rundfunk dazu kommt, seine verdienten antifaschistischen Autoren in eine solche V-Mann-Maßregelung einzubinden. Ich kann dazu nur sagen, dass das Alltagsgeschäft ist. Es kommt jeden Tag vor.

Weiter im Text von Chaussys Fernsehsendung (ich analysiere hier nur den Anfang, das reicht). Wie die Leser meines Blogs wissen, geht es bei Chaussys Projekt um die Wiederaufnahme der Ermittlungen zum Oktoberfestattentat. Das kann und muss rotwelsch wie folgt gelesen werden: Wiederaufnahme = witt – er – au – f- name = einer Mörderin hat er seinen Decknamen verraten.

Was um alles in der Welt das soll, fragte mich der adressierte V-Mann im persönlichen Gespräch. Nach eigenen Angaben hat er sich weder verraten gegenüber der fraglichen Dame (diese hatte ihre Informationen aus dem Fernsehen!), noch ist die Frau, von der hier die Rede ist eine schwarze Witwe (witt) oder Mörderin.

Das seien paranoide, vollkommen abseitige Behauptungen, die jemand als taktische Desinformation und um die Dame zu beschädigen in die Welt gesetzt hat.

Chaussy blättert
Im Bild zu sehen: Akten und ein Ehering

Starker Tobak. Hier werden ein V-Mann und eine Dame vor der geheimdienstlichen Öffentlichkeit buchstäblich vernichtet. Oben ist das zweite Bild des Fernsehfilms zu sehen, Ulrich Chaussy zeigt seinen Ehering und alte Akten.

Ehering = E – h – e – ring = ich brülle vor Lachen.

Chaussy lacht nicht viel in diesem Film, er gibt sich ernst, schwafelt aber rotwelsch von seinem brüllenden Lachen. Was soll das? Ich denke, Chaussy lacht hier, weil er die alten Akten zum Oktoberfest abgegriffen hat und nicht ein anderer, der tatsächlich etwas damit anfangen hätte können.

Auch das kommt in Frage:

Ehering = E – h – er – i – n- g = er lacht auch noch blöd über seinen Geheimnisverrat.

Man kann dieses Lachen in diesem Sinn auch auf die zuvor analysierten Zusammenhänge (die angebliche Mörderin und ihren angeblich verräterischen Liebhaber) münzen. Oder anders verstehen. Dann wird es ein grausliches Lachen, das ich dem Herrn Chaussy menschlich nicht zurechne.

Wir fassen zusammen: In dem Fernsehfilm wird ein V-Mann dem Spott und dem Hass der versammelten Geheimdienstgemeinde preisgegeben, weil er angeblich einer Mörderin seine Legende verpfiffen hat. Tatsächlich handelt es sich um falsche, erfundene Vorwürfe, die im Fernsehen taktisch kommuniziert werden, ohne Rücksicht auf die Betroffenen.

 

(Screenshots: Bayerischer Rundfunk, Autor U. Chaussy „Attentäter Einzeltäter. Neues zum Oktoberfestattentat“, zweite Fassung Herbst 2015)

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