Mythos Andreas Temme

Über den so genannten Verfassungsschützer Temme, der sich angeblich zur Tatzeit eines Ceska-Mordes am Kasseler Tatort aufgehalten hat, ist in den letzten Jahren viel Unsinn verbreitet worden. Temme soll, buchstäblich blind und taub, im kaum abgetrennten Nebenraum eines Verkaufsraums gesessen haben, wo, der Legende nach, der türkische Spitzel Halit Yozgat erschossen worden ist.

Es interessiert mich nicht, was genau die deutsche Polizei an Blödsinn über Temmes angebliche Zeugenschaft oder Nichtzeugenschaft in die Akten verfrachtet hat; Aufgabe der deutschen Polizei war es ja, die wahren Tathintergründe zu verschleiern.

temme
Andreas Temme

Ungeachtet dessen wird der Irrsinn der Kasseler Tathintergründe noch aufzuarbeiten, der Augiasstall von PKK, MIT & Co. in Ordnung zu bringen sein sein. Heute werde ich Temmes Rolle am so genannten Tatort abseits strafrechtlicher Diskussionen würdigen.

Was hat Temme im Internetcafé des Halit Yozgat, das auf andere Leute angemeldet war und keinen Gewinn brachte, gemacht?

Jeder, der schon einmal zwei Minuten für oder auch nur gegen einen Geheimdienst gearbeitet hat, weiß, dass solche Internetcafés bis zur allgemeinen Verbreitung der DSL-Anschlüsse als Honigtöpfe für Straftäter und als Kommunikations-Infrastruktur für die Polizei und die schwächer strukturierten Geheimdienste (zum Beispiel das Hessische Landesamt für Verfassungsschutz) benutzt worden sind.

Heute sind Internetcafés praktisch nur noch Fotostudios für vollkommen blöde Straftäter, die glauben, dort „unbeobachtet“ Schweinereien durchführen zu können.

2006, als Yozgat vom türkischen Geheimdienst erschossen worden ist, war außerdem die Hochzeit der primitiven Internet-Konspiration über so genannte Chats. Rückständige Geheimdienste und übereifrige Polizeibehörden trainierten ihre Leute damals wie wild darin, vorhandene Rotwelsch-Kenntnisse vorzugsweise dialogisch „beim Online-Sex“ anzuwenden und sich so zu fühlen, als kommunizierten sie „sicher“.

Damit wären wir auch schon bei der Lösung des Rätsels Temme: Temme ist ja von der Polizei als Sex-Chatter ausgeforscht und nachträglich als am Tatort anwesend ermittelt worden, weil er seine echte Telefonnummer bei der Sex-Registrierung auf der einschlägigen Sex-Homepage angegeben und dann Sex gehabt hat.

Es gehörte damals nämlich zu den Marotten besonders altmodischer Konspirierer, „offen“ zu arbeiten und es war Dogma unter doofen Verfassungsschützern bzw. sich für Geheimdienstler haltenden C64-Polzisten, „im Ernstfall“ ausgeforscht werden zu können. Man glaubte schließlich, das Rotwelsch in den Chats sei nicht zu entziffern.

Damals wie heute weiß der intelligente Mensch aber: Sprachen kann man verstehen, dazu sind sie gemacht.

Jemand, der ausgeforscht worden ist und in einer Sprache gesprochen hat, dessen Worte können auch verstanden werden.

Was hat Temme in seinem Sex-Chat an „sicherer“ Kommunikation verbrochen?

Wir wissen es aus den normalen Polizeiakten. Der V-Mannführer Temme hat zur angeblichen Tatzeit mit seinen beiden islamistischen Schützlingen, verklemmten islamistischen Fanatikern, auf Rotwelsch über das Ficken gechattet.

„Nazis“ hätte Temme nicht führen können, dazu war er intellektuell nicht in der Lage.

Auch das galt früher bei besonders doofen Sicherheitsbehörden als Zeichen dienstlicher Mannbarkeit (oder war es das Ergebnis von Weiberherrschaft? Wir wissen es nicht): Die Geschlechterrolle in der Kommunikation zu wechseln, es „zu ertragen“, im Internet „gefickt“ zu werden und dabei hoch wichtigen, sämtliche Beteiligten irreführenden Scheißkram zu besprechen, wie das halt zwischen V-Leuten und ihren Vorgesetzten nun einmal geschieht.

Heute macht man das drahtlos. Dass dabei genauso viel Scheiße gebaut wird, steht auf einem anderen Blatt.

Dass Temme, wie es damals und heute „offen“ konspirierenden Dienstlern ständig passiert, zu einer bestimmten zeit an einen bestimmten Ort gelockt und dann als Verdächtiger in einem Mordfall benutzt worden ist, verwundert schon nicht mehr.

Temme ist also kein Mörder, er hängt auch nicht beim NSU mit drin (was strafrechtlich scheißegal sin müsste; man geht auch nicht in den Knast, wenn man für bundesdeutsche Provinztheater arbeitet) wusste und weiß auch nichts über die Ceska-Morde, er gehört einfach jener Generation an, die Sex-Chats selbstbewusst für sichere Kommunikationskanäle gehalten hat. Sich bei seiner Frau zu entschuldigen und so zu tun, als ob man „im Internet“ fremd gegangen sei, gehörte um 2006 zur altmodischen Tarnung.

Gott sei Dank kann man heute, wenn man gegen einen Geheimdienst vorgeht, andere Methoden anwenden als fade Sexchats zu entziffern.

 

(Bild: Standfoto aus einem Polizeivideo)

 

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