NSU: Ordnung ins Dönerchaos

Gestern habe ich an dieser Stelle gezeigt, dass geheimdienstliche Morde in den meisten Fällen dramaturgisch wirksamer Bestandteil komplexer Geheimdienstoperationen, wenn man so will, Rohstoff für geheimdienstliche Erzählungen (Propaganda) sind. Dass sie auch Bestandteil von Geheimdienstkriegen sein können und meistens sind wurde zuvor erklärt.

Die so genannten Ceska-Morde der Jahre 2000 bis 2006, aber auch andere Straftaten, die heute dem NSU (und früher anderen Kräften) zugerechnet werden, sind ein klassischer Fall für geheimdienstliche Morde. Fast alles an diesen Morden ist so gestaltet, dass Geheimdienste daraus, unter Schonung der eigenen Interessen, Propaganda machen können.

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Recherche in einem Arbeiterviertel von Nürnberg, März 2018

Bis 2011 waren die Ceska-Morde „Mafiamorde“, im besten Fall (wie für den Spiegel) Morde geheimdienstlich angehauchter Strukturen des kriminellen Milieus der so genannten Ausländerkriminalität (man lese sich aktuelle Kriminalstatistiken durch und staune, wie ausländische Geheimdienste in der BRD wüten).

Zur Verfolgung dieser Straftaten wurde von Seiten der BRD dann auch eine Ermittlungsorganisation gegründet, die nicht etwa dem Bereich der Terrorismusbekämpfung sondern dem der Bekämpfung der Ausländerkriminalität zuzurechnen war.

Die BAO Bosporus hat jahrelang, von Nürnberg aus, versucht, mit polizeilichen Methoden die bilateralen Spannungen, die sich aus der notwendigen Abdeckung und propagandistischen Nutzung dieser Morde ergeben haben, zu moderieren. Das war ihre Aufgabe, nichts anderes. Es ist unfair und dumm, die Nürnberger für ihre Tätigkeit mit den Maßstäben des polizeilichen Handwerks zu messen.

Die Propaganda, die der türkische Geheimdienst mit den Ceska-Morden bis 2011 gemacht hat, spielte sich auf mehreren Ebenen ab, vor allem auf einer informellen Ebene der psychologischen Beeinflussung von Milieus der Deutschtürken und der Kurden in der BRD. Ziel der Suggestion, die mit der Serie verbunden war (und die von der BAO Bosporus ermöglicht werden sollte durch bitteren Verzicht auf echte Ermittlungen), war es, den Deutschtürken eine fortdauernde Unterstellung unter die türkische Innenpolitik zu suggerieren.

Wir sehen die Spuren dieser „Unterwerfung“ der Deutschtürken deutlich in den Akten der BAO Bosporus. Es muss entsetzlich gewesen sein, zu solchen Brutalitäten zu schweigen, und man sieht die Trauer und die Scham darüber den damals tätigen Polizisten noch heute an.

Das Ganze spielte sich vor dem Hintergrund einer gigantischen Betrugsaktion ab, die praktisch gesehen den AKP-Mann Erdogan an die Macht bringen sollte, indem man über betrügerische Briefkastenfirmen seine Wahlkämpfe finanzierte. Das Geld dazu wurde von Deutschtürken durch Anlagebetrug, und von Kurden durch doppelten Anlagebetrug beschafft (man suggerierte ihnen, sie würden die PKK finanzieren).

Die Döner-Operation hatte also mehrere Zwecksetzungen. Geldbeschaffung für die Geheimdienste, Beeinflussung der türkischen Innenpolitik durch Unterstützung von Erdogan, Demütigung der Deutschtürken, die drohten, sich an die bürgerlichen Freiheiten der BRD zu gewöhnen, Zerstörung der PKK-Strukturen in der BRD, Machtdemonstration des türkischen Staates gegenüber den Deutschtürken (der türkische Geheimdienst kann in der BRD morden wie er will).

Man kann sagen: Der türkische Staat hat mit dieser Propaganda-Aktion, die ja auch ein abstoßendes Bild von den Deutschtürken gegenüber dem eingesessenen deutschen Volk vermitteln sollte (Mafia, Spielschulden, Morde, Angst vor den Grauen Wölfen usw.) die Bildung einer deutschen Volksgemeinschaft unter Einschluss unserer türkischen Mitmenschen verhindert.

Es sollte nicht dazu kommen, dass aus den Deutschtürken und uns Deutschen ein geschlossenes Staatsvolk wird.

Und wie es komplexe Geheimdienstoperationen so an sich haben, wurde das Ganze auch noch in einen Geheimdienstkrieg gegen die PKK integriert. Diesen Geheimdienstkrieg kann man anhand der deutschen Polizeiakten beweisfähig nachvollziehen, indem man die Ermittlungsergebnisse zu jenen türkischen Agenten in den Opferumfeldern, die sich als PKK-Provokateure ausgaben, zusammenfasst und personelle wie operative Überschneidungen darstellt.

Das habe ich schon getan und werde es auf diesem Blog präsentieren.

Sie sehen: Solche Operationen sind dermaßen komplex angelegt, von der Durchführung her so vielschichtig und in ihrer aktuellen wie nachträglichen Deutung perspektivisch so verzerrt, dass man selbst als brauchbarer Intellektueller Mühe hat, sie in Umrissen darzustellen.

Man sollte sich nicht vor der Verwirrung fürchten, die die gedankliche Durchdringung des modernen Staatsterrorismus mit sich bringt. Diese Verwirrung ist kalkuliert; die Taten und die Propaganda des Staatsterrorismus sind so strukturiert, dass sie sich der diskursiven Logik und der begrifflichen Einordnung (wie die Klugscheißer es formulieren) verweigern. Genau dagegen ist anzugehen.

 

 

 

2 Gedanken zu “NSU: Ordnung ins Dönerchaos

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