Natur und Funktion geheimdienstlicher Morde

Wie lässt sich die Behauptung beweisen, dass die „Dönermorde“ – oder nennen wir sie Ceska-Morde – zwischen 2000 und 2006 teilweise durch einen Geheimdienstkrieg gegen die PKK erklärbar sind?

Ein solcher Beweis lässt sich nur dann sinnvoll führen, wenn zuvor ein paar grundsätzliche Fragen geklärt werden, und zwar in Bezug

  • auf die Natur und Funktion von geheimdienstlichen Morden,
  • auf die so genannte Opferauswahl und das Opferumfeld bei geheimdienstlichen Morden, sowie
  • auf die Rolle und Funktion der polizeilichen Ermittlungen, der Politik und der nachträglichen Instrumentalisierung der Morde.

Hört sich ein wenig kompliziert an, und das ist es auch. Die jahrelange Arbeit im Arbeitskreis NSU hat mir aber gezeigt, dass eine noch so genaue Aktenanalyse ohne vorherige Klärung theoretischer Fragen wirkungslos bleibt und aufgrund der allgemeinen begrifflichen Verwirrung sogar dem Gegner in die Hände spielen kann.

Gut, hier ein paar theoretische Voraussetzungen, morgen skizziere ich den Beweisweg für die Deutung der Dönermorde als Geheimdienstkrieg gegen die PKK.

Was ist ein geheimdienstlicher Mord?

Ein geheimdienstlicher Mord ist grundsätzlich eine Tötung, die im Zusammenhang steht mit operativen Absichten eines oder mehrerer Geheimdienste. Das gilt sowohl perspektiv als auch retrospektiv, wie die Dönermorde zeigen: Geheimdienstliche Morde können sowohl von Geheimdienstmitarbeitern in operativer Absicht begangen als auch im Nachhinein für die Zwecke von Geheimdiensten umgedeutet und nutzbar gemacht werden.

Türkische Faschisten
Türkische Faschisten „präsentieren“ so genannte Beutewaffen der PKK, vergleichbar den Waffenstrecken linker Volksverräter in der BRD

Es ist möglich, dass ein Mörder erst im Nachhinein erfährt, warum er eigentlich getötet hat und dass das nachträglich applizierte Motiv viel stärker ist als das eigene. Ein Geheimdienst kann aber auch Unschuldige beweisfähig zu Mördern machen (wie der NSU-Prozess zeigt).

Bei den Dönermorden ist die Lage komplex; die Morde wurden von türkischen Geheimdienstmitarbeitern begangen, zunächst halbherzig der PKK in die Schuhe geschoben und anschließend, als das wegen des Widerstands der Polizei nicht mehr klappte und bilateral nicht mehr gewünscht war, als „Nazimorde“ umgedeutet.

Damit schützt die deutsche Linke heute türkische Mordfaschisten, und wenn Frau Renner das tausendmal leugnet.

Opferauswahl bei geheimdienstlichen Morden

Aufgrund der Tatsache, dass Geheimdienste vor allem ohne besonderen Bezug zu einzelnen Menschen, nur zu Propagandazwecken, töten (bedeutende Menschen sind den Diensten fast immer scheißegal, und wenn nicht, werden sie, wenn sie getötet werden, erst recht zu Propagandazwecken getötet), werden die Opfer nicht wie bei privaten Morden oder bei der Mafia nach dem Grad der persönlichen Verantwortung ausgewählt. Es müssen auch Leute aus der zweiten, fünften und sechsten Reihe dran glauben.

Die Opferauswahl geschieht nach dem Grad des Nutzens, was den psychologischen Schockwert der Tötung und die semantische Breite der Deutbarkeit des Mordes im Propagandazusammenhang angeht. Opfer werden zumeist unscharf in jenem Zielfeld verortet, das getroffen werden soll. Es darf auch nicht vergessen werden, dass Geheimdienste mit schaurigen Morden am eigenen Image arbeiten (die Israelis machen das sehr gerne).

Durch die unscharfe Opferauswahl wird es schwieriger, Motive zurückzuverfolgen zu den ausführenden Tätern oder den Planenden im Hintergrund.

Es müssen grundsätzlich immer einzelne Aspekte des Opfers gegen ein mögliches Motiv eines Geheimdienstes sprechen (zum Beispiel werden bei den Dönermorden Türken und Kurden getötet, damit es schwieriger wird, den Türken eine Kampfabsicht zu unterstellen und man im Internet doofe Arschlöcher locker gegen die Aufklärung argumentieren lassen kann).

Außerdem ist es für die Geheimdienste besser, Menschen zu töten, die keine Lobby und ein schlechtes Gewissen (ordentlich Dreck am Stecken) haben. Dann schämen sich die Angehörigen nach dem Mord auch noch für den Getöteten und meckern nicht herum, außer man erlaubt und bezahlt es ihnen.

Die Rolle der Polizei und der Politik

Geheimdienstliche Morde dienen meistens der Propaganda (es gibt auch eine Sorte geheimdienstlicher Morde, die verdeckt bleiben, aber das ist eine andere Geschichte). Die Polizei muss in solchen Fällen ermitteln wie in einem Fernsehkrimi, nach einem politisch festgelegten Drehbuch. Ihre Aufgabe ist es, die erhobenen Sachverhalte so in Akten zu verpacken, dass die gewünschte politische Deutung herausgelesen werden kann und die Gerichte und Journalisten nach den politisch erwünschten Mustern vorgehen können.

Alles andere ist Unsinn. Die Polizei spurt in solchen Fällen wie im Film, noch schlimmer als die Journalisten.

Geheimdienstliche Morde dienen der Macht, sie liefern den Stoff für reißerische Nachrichtensendungen, politisch-emotionale Pornographie mitten in der so genannten Demokratie und mittelalterliche oder archaische Dämonisierungen (man denke an den Hexenwahn um die bedauernswerte Beate Zschäpe). Die Politik handelt bei der Deutung solcher Morde die Modi der psychologischen Beeinflussung der Massen aus und liefert den Verblödungsmedien den Brennstoff zur Volksverhetzung.

Zum Abschluss ist zu sagen: Die öffentliche Deutung geheimdienstlicher Morde, und dazu ist auch ihre polizeiliche und juristische Behandlung zu rechnen, ist wichtig für die Stabilität von Demokratien, weil sie verdrängten autoritären Impulsen Raum gibt und die Bluthatz auf den politischen Gegner ermöglicht.

 

(Bild: Unbekannter türkischer Fotograf)

 

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