Im abenteuerlichen Ligurien II

Hier ist der erste Teil meiner abenteuerlichen Reise nach Ligurien aus dem Jahr 2002.

Angekommen im malerischen Urlaubsörtchen vermochte ich den Hotelbesitzer im Handumdrehen dazu zu überreden, mir eine Suite unter dem Dach des burlesken Gebäudes zu überlassen. Mein Geld hätte niemals dafür gereicht; es gab einen „Sonderpreis“ für mich, die Insassen der Suite wurden hinauskomplimentiert.

Ohne Titel
Hotelsuite in Cinque Terre

Damals war mir fast alles egal; ich war meine Jugend hindurch praktisch ohne Unterbrechung gefoltert worden und hatte die Schnauze endgültig voll. Mit ein paar unguten Worten hätte ich die CIA in Salzburg buchstäblich an die Wand fahren können. Ich tat es nicht, eben weil mir alles egal war und man alles unternahm, mich ruhig zu stellen.

Eigentlich wollte ich ja etwas von der rotwelschen Mitteilung im Eigennamen „Dressler“ (der schikanöse Kerl vom Finanzamt aus Berlin) erzählen:

Dressler = D – re – SS – ler = Da hast du die Quittung dafür, dass du etwas über die SS ausgepfiffen hast.

Die „SS-Lehr“ spielte sich in diesem Urlaubsort und wie folgt ab.

Als ich in der Suite angekommen war, warf ich meine Sachen auf das Hotelbett und nahm alkoholische Getränke zu mir. Mir war alles egal; zusätzlich hatte man den Chip in meinem Hirn ein wenig manipuliert (das konnten die damals noch), auf dass ich möglichst triebhaft und doof leben sollte. Ich soff mir, auf gut Deutsch, einen Rausch an, pseudointellektuell daherquatschend, ohne Widerspruch, sozusagen über den Dächern von Ligurien.

Meine Begleitung schien darauf konditioniert, mir zuzuhören. Ein erotisierter geheimdienstlicher Resonanzraum, wie er sonst gern bei unter Kontrolle zu halten Frauen appliziert wird, denen sonst keiner zuhört.

Leicht besäuselt dozierte ich gegenüber der gelangweilten reizvollen Schönheit, die zu jener Zeit auf  Partnerin machte, dass die SS Mitte der 30er-Jahre einmal von einem amerikanischen Konsortium unterwandert zu werden drohte, man aber aus Blödheit an diesem Unterwanderungsversuch (der bloß mit Geld fundiert war) scheiterte. Ich hatte das wohl irgendwann von meinem Steuermann gesteckt bekommen.

Leicht entsetzt nahm die Schöne meine knarrende Mitteilung auf; es gehört zu den fürchterlichsten Tabus der CIA, über diesen SS-Kram zu sprechen, warum auch immer. Ich hatte das aus Hass erzählt, nicht aus Hass auf die SS sondern aus Hass auf die Amerikaner, ohne an die Folgen zu denken.

Dieser Ausbruch wird mir bis heute vorgehalten, zum Beispiel in der Namensgebung des Herrn Dressler, der mir mit seinem Namen signalisiert, dass ich damals „gequatscht“ habe. Man glaubt es nicht, aber so ist es, und nach meiner herrlichen Aufklärungsrunde zur Geschichte der Schutzstaffel vögelte ich die mich begleitende Dame noch ein wenig in den Arsch.

Ich war in Teufels Küche, ohne es zunächst zu bemerken. Sicher, mir fielen ein paar Details auf, etwa wurde mir auf der Heimfahrt dann mein Tankdeckel geklaut (Rotwelsch, aber auch Deutsch: Tank, du Ekel). Ich bekam aber noch nicht wirklich mit, was die Amis mir bis heute an dieser Episode vorhalten, in dem Glauben, ich würde mich dafür schämen.

Diese Leute halten mir bis heute vor (und glauben sich damit zu rächen), dass ich damals, in der Hotelsuite in Cinque Terre, Analverkehr hatte. Lieber Leser, halten Sie sich fest: Analverkehr. Es gibt in der CIA Leute und ich gehe davon aus, es ist die Mehrheit, die ernsthaft glauben, man würde sich für Analverkehr schämen. Bis heute höre ich Anspielungen daran aus dem Strom an sprachlichem Müll heraus, den die CIA auf mich loslässt.

Tank, du Ekel, kann ich da nur sagen. Karl Heinz und ich liefern ganze Dichterwettstreite über solche Varianten.

Klar war die besagte Hotelsuite mit Kameras und Wanzen vollgepackt; und tatsächlich hat man mir immer wieder suggeriert, irgendwelche Leute würden sich Mitschnitte aus meinem „Auftritt“ in Ligurien zu Gemüte führen. Was für ein Unsinn, zumal man wissen muss (und seit Snowden auch glaubt), dass solche Mitschnitte tatsächlich kursieren.

Wie gesagt, ich war damals recht locker unterwegs. Man versuchte mit einigem Erfolg, mich blöd zu machen. Wie weit das gehen kann, erzähle ich noch schnell an einem Beispiel. Am Tag nach der Ankunft in Cinque Terre erwachte ich im Hotelbett, die heillose Kurtisane neben mir. Ich hatte ein schlechtes Gewissen, weil ich in Wirklichkeit in eine andere Frau verliebt war, das kam mir plötzlich zu Bewusstsein.

Das Dachfenster direkt über dem Hotelbett war offen; ein lauer, bezaubernder Morgen. Da streckte ein sehr junges Kätzchen seinen Kopf in die Fensteröffnung, als ob es „nachschauen“ wollte, wie es den beiden „Liebenden“ im Bett erginge. Ein stechender Schmerz hämmerte mir im Kopf; ich ging zur Toilette und starrte ein paar Minuten auf die Fliesen.

Seither lasse ich mich nicht mehr so gerne von der CIA blöd machen.

 

(Bild: Unbekanntes Hotel in Ligurien)

 

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