Kunst als Mittel der Konspiration

Ein Ziel dieses Blogs ist es, die Arbeitsmethoden der Geheimdienste so weit öffentlich zu machen, dass altmodischer Psychoterror, wie ihn zum Beispiel die NSU-Legende auf der Ebene eines ganzen Volkes verwirklicht (Niederhaltung der Deutschen durch hemmungslose Verbreitung von negativ-völkischen Minderwertigkeitsgefühlen), aufhört.

Zu den besonders altmodischen Methoden der Konspiration im Bereich der Geheimdienste gehört die Sprache der künstlerischen Ästhetik. Ich spreche von einer künstlerischen Ästhetik, weil es auch andere Formen der Ästhetik gibt, eine technische, eine politische usw.

Die Kunst ist von alters her für Konspiration genutzt worden, erstens weil Künstler ohne Macht nicht arbeiten können und zweitens weil die künstlerische Ästhetik so biegsam ist, dass man sie für jeden Scheiß unauffällig einsetzen kann.

Außerdem gilt der Künstler als harmlos, moralisch hochstehend, frei und spontan, was ihn unverdächtig macht. Wer Künstler kennt, weiß, dass diese Leute in den allermeisten Fällen kleinbürgerliche Arschlöcher sind, mit einem durch jahrzehntelange wirtschaftliche Demütigung verformten, durchaus problematischen Charakter.

Unbenannt
„Konspirativer“ Schutzumschlag, 1979

Sie sehen oben einen Schutzumschlag aus den 70er-Jahren. Der damit verpackte (man hätte auch Wurstpapier nehmen können) Roman ist von einem CIA-Agenten verfasst worden, der sich im Umfeld des so genannten Olympia-Massakers in die verdeckten europäischen Strukturen der PLO eingeschlichen und das im Nachhinein auch noch frech zugegeben hat.

Solchen Leuten passiert nämlich grundsätzlich nichts.

Dieser „Künstler“, der einer ist, weil er flüssig Schreiben kann und ansonsten nichts (wenigstens das; die Waffenbeschaffung beim Olympia-Massaker 1972 ist von ihm mies aufgezogen, fast versemmelt worden) hat mit diesem Roman einen anderen westlichen Agenten, nämlich einen gewissen Udo Albrecht, aufgebaut, seinen Mythos hingeschmiert.

Betrachten wir den Schutzumschlag näher, zumal der Roman selbst eine (durchaus witzige) Räuberpistole ist, die Albrecht auf dem Weg der reißerischen Kolportage bei deutschen Aktivisten in den Sattel helfen hätte sollen.

Schutzumschläge hatten den Vorteil, dass sie mit den Jahren aus den meisten Bibliotheken verschwunden sind. Da gab es nach ein paar Jahren nur noch das Buch selbst; der Schutzumschlag war sozusagen flüchtige Materie, ideal für die Übermittlung „konspirativer“ Botschaften. Seit es das Internet gibt, kann man Schutzumschläge wieder massenhaft sehen, die Konspiration ist zuschanden.

Herr Pless (ich nenne seinen Namen nicht, man kann ihn sich aber bei 3Sat ansehen) hat den Schutzumschlag selber entworfen. Der zeigt einen Kopf mit Federn, eine Art Federhaube, was uns Rotwelsch so viel sagt wie: Sag nicht, dass ich bei der CIA bin, aber auch: Was ich dir gesagt habe, das verwirf unter keinen Umständen.

Dieses optische Element muss vor dem Hintergrund des Buchtitels gelesen werden: „Geblendet“ kann im vorliegenden Kontext heißen: Sag nichts von der Beihilfe und was ich (und/ oder du) dafür bekommen habe. Gemeint ist die Beihilfe zur Waffenbeschaffung beim Olympia-Massaker und der Lohn dafür.

Die Botschaft des Schutzumschlages richtete sich direkt an Udo Albrecht, konnte aber durchaus auch in anderen Kontexten wirksam werden. Entscheidend ist hier nicht die inhaltliche Dimension der Mitteilung, die von mir ohnehin so referiert wird, dass man niemandem den Kopf abschneidet. Entscheidend ist die Erwähnung einer antiquierten Arbeitsmethode der Geheimdienste.

Künstlerische Formensprache als Tarnung, massenhafte Verbreitung einer an Einzelpersonen gerichteten Mitteilung, Rotwelsches Geschnatter mit Abgründen bis zum Massenmord: Diese Zeiten sind hoffentlich bald vorbei, zumal man über die Mikrochips im Hirn viel einfacher und schöner kommunizieren und dann auch endlich wieder gute Kunst produzieren kann.

 

Dieser Beitrag ist Teil der Reihe Mietpreissenkung, die chronologisch gelesen werden kann (neuester Beitrag ganz oben).

(Bild: Schutzumschlag „Geblendet“ von G.W. Pless, Schweizer Verlag, 1979, Zitatrecht)

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s