1979: Dell im Einbauschrank

Chipjunge Dell, ferngesteuerter Exponent der CIA und als Kind unwissende lebende Überwachungskamera unter ländlichen Mördern, musste als junger Mensch die technologischen Experimente der Geheimdienste mit dem eigenen Leib durchführen. Ich erzähle heute, wie er begonnen hat, sich von seiner Mission zu distanzieren.

Im Jahr 1979 manövriert man Dell, getarnt als normales Kleinkind, durch den Alltag einer österreichischen Provinzstadt. Dort herrschen schauerliche Verhältnisse; die CIA hat nach dem Krieg uralte mittelalterliche Strukturen aus Mord und bitterernstem Hexenwesen für die Zwecke der Machterhaltung nutzbar gemacht.

Die Umtriebe der z.B. in Touristenhotels mit Putzmitteln mordenden Weiber aus dieser Hexenkaste sollen ab Mitte der 70er-Jahre ein wenig kontrolliert werden. Man misstraut dem Pack. Vor allem die Hilflosigkeit der Polizei vor dem Mördergesindel ist der CIA ein Dorn im Auge.

Man setzt dem Gesindel einen kleinen Überwachungs-Buben ins Nest.

Wissenschaftsgeschichte Urmensch
Chipjunge Dell war der Urmensch einer elektronisch synchronisierten neuen Zeit

Dells Erinnerungen an die 70er-Jahre sind klar. Er erinnert sich gut daran, wie ihm zum ersten Mal der Gedanke gekommen ist, seinen Job an den Nagel zu hängen, und das war genau der Moment, als er dahinter kam, welchen Job er zu erledigen hatte.

Dells Vater war Polizist und die Polizeiwache, in der er tätig war lag nur 30 Meter neben der kleinen Wohnung, in der seine Familie hauste (er selbst betrachtete sich grundsätzlich, schon im Babyalter, als Zaungast). Dells Vater hatte Angst. Wenn er die Wache betrat, rechnete er damit, weggemacht zu werden, zum Beispiel von einer Putzfrau, die seinen Schreibtisch auf Befehl oder aus einer Intrige heraus mit einer giftigen Substanz einreibt.

So etwas gibt es, lieber Leser. Ob man es wahrhaben will oder nicht.

Die ständige Todesangst von Behördenvertretern vor geheimdienstlichem Mord gibt es. Ob man es wahrhaben will oder nicht.

Dell sah das, und sein Steuermann, der am Rande der Siedlung in einem engen Kastenwagen saß, sah das auch. Auf seinem Monitor bildete sich, in Schwarzweiß, das kindliche Gesichtsfeld ab. Dem Steuermann stockte der Atem, wenn Dell das Büro seines Vaters in der Polizeiwache betrat. Immer bestand die Gefahr, dass der kleine Junge den Zorn des mörderischen Gesindels auf sich zog, das die Polizisten zu Wohlverhalten zwang.

Einmal verlor der Steuermann die Kontrolle; gegen seine Gewohnheit hatte er schon am Vormittag Wein getrunken in seinem Kastenwagen, aus Verzweiflung über die Eintönigkeit seiner Arbeit, die ständige Todesangst der Polizisten und die Scheußlichkeit der Umgebung, in der Dell hausen musste.

Dell, er war in diesem Moment auf der Polizeiwache (dort durfte er sich wortlos unter dem Schreibtisch aufhalten, während der Vater Dienst schob), empfing widerliche Impulse, sein Steuermann war eingeschlafen, Dell musste fast kotzen vor Angst; die Regler am Monitor waren verwaist, der Steuermann schnarchte.

Unkontrollierbare Gefühle im Magen, stürmte das Kind los, raus aus der Wache, zwei Flaschen Limonade in Händen, die er weiß Gott warum beim Verlassen des Büros gegriffen hatte.

Dell verlässt fluchtartig die Wache, weil er spürt, dass ihm eine Putzfrau ans Leder will. Es hat etwas Komisches, von einer Putzfrau verfolgt zu werden, aber nicht für ein Kind, im Jahre 1979, mit einem Chip im Schädel, wenn der Steuermann einen Rausch hat. Die Alte huschte dem Jungen hinterher und war drauf und dran, ihm irgend eine Essenz ins Genick zu schütten.

Dell rannte, so schnell er konnte, über die Treppe ins Freie. Draußen drosch er die beiden Limonadenflaschen wie Handgranaten vor die Raiffeisenbank, als ob er sich verteidigen wollte. Das hielt die Putzfrau ein wenig auf. Eine Minute später war er in der elterlichen Wohnung. Aufgesperrt hatte der Schlüsseljunge selber, das konnte er, weil sich die Eltern meistens einen Scheißdreck um ihn kümmerten.

Nur hinter sich zusperren, das klappte noch nicht.

Die Putzfrau erreichte die Wohnung und suchte nach Dell; der verkroch sich wie ein kleines Tier im Einbauschrank der Küche, ironischerweise zwischen den Putzmitteln. Das Putzweib riss die Tür zum Einbauschrank auf, da war Dell aber (im Schrank) schon weitergekrochen, Richtung Herd: Sein Steuermann war aufgewacht und hatte ihn in allerletzter Sekunde gerettet.

Unverrichteter Dinge zog die Alte ab. Eine zweite Schranktür zu öffnen fiel ihr nicht ein.

Es ist still. Dell weiß, dass er sich nicht selbst gerettet hat. Er will nicht mehr. Es dämmert ihm, dass er seine Steuerleute hintergehen muss, wenn er überleben will.

 

Dieser Beitrag ist Teil der Reihe Mietpreissenkung, die chronologisch gelesen werden kann (neuester Beitrag ganz oben).

(Bild. Aus einer alten Enzyklopädie)

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