Angriff der Körperfresser

Ich werde Ihnen heute eine Episode aus meinem Leben erzählen, deren Inhalt Sie vielleicht verwundert. Vor Jahren hat es ein Geheimdienst gut mit mir gemeint; zumindest sah es so aus, und die Folgen waren für mich sowieso verheerend.

Es war bei einer Hausdurchsuchung. Das LKA krachte in aller Früh an die Tür und schickte sich an, mir das Büro auszuräumen, der Spaß sollte mich später zigtausende Euro und anderes kosten. In all dem Lärm war aber auch was Schönes dabei und zwar Folgendes:

Beim Ausräumen meines Büros (einer kleinen Schreibwohnung, der Widerstandsburg, in der ich damals ständig auf den Tod lauernd übernachtete), die Einsatzkräfte beschlagnahmten gerade meinen Betrieb, schnauzte mich ein alter derber Staatsschützer (den kannte ich schon länger, im Grunde ein netter Kerl) auf Rotwelsch an, ich solle nicht so eitel sein und doch gefälligst meine große Liebe kontaktieren, die warte schon, draußen um die Ecke.

Wahrscheinlich in der Rostlaube, scherzte ich auf Rotwelsch zurück, ein paar Meter nordöstlich, Herr Staatsschützer.

Ihren Spitznamen kannte er. Missverständnis ausgeschlossen.

Ich dachte zuerst, ich spinne. Aber ich spann (sagt man spinnte?) nicht. Nach kurzem Nachdenken fiel mir auf, dass der Mann auch in der Richtung hieß: I – n – s – eu – del (ich schweige nicht über die Liebe des Dell)… er konnte nichts dafür. Oder: Eu – n – s – eidel, schweige nicht über deine Liebe, du eitler Tropf?

Unbenannt
Sinnlose Diskussionen bei einer Hausdurchsuchung

Und dann ging es weiter. Der Bulle fragte mich ohne äußerlich erkennbare semantische Motivation, ob er irgend einen Scheiß (nicht einmal ein Schriftstück) zu den Akten nehmen sollte (echter Berliner…) was Rotwelsch so viel heißt wie: Wenn du weiter nichts zu ihr sagst, dann eckt das gewaltig, kapier das endlich, vermassle es nicht.

Die wird langsam sauer, deine Alte, meinte er auf Rotwelsch.

Als verheirateter Mann (er meinte nicht die Ehefrau!) war mir das ziemlich peinlich. Ich lief zwar nicht rot an, das war gar nicht mehr möglich, zumal ich mit hochroter Birne und in der Unterhose, als eisenharter „politischer“ Brutalo, eh schon Farbe gezogen hatte. Ein wenig verschämt begann ich aber dann doch zu grübeln.

Wäre es nicht besser gewesen, die „Alte“ schon vor Jahren zu kontaktieren?

Zur Ablenkung von meiner erotischen Reminiszenz brach ich eine sinnlose Diskussion über irgendwelche rechtswidrigen Zettel vom Zaun und ereiferte mich über die Tatsache, dass zwei verschiedene (!) Durchsuchungsbeschlüsse vorgelegt wurden, die jeweils als identisch mit der Urschrift beurkundet waren.

Im Grunde pervers, dachte ich, um den Bruchteil einer Sekunde später zu der Überzeugung zu kommen, dass das wohl auch wieder nur Rotwelscher Kram war.

Wahrscheinlich gut gemeint. Ich Spielverderber hatte den Geheimdiensten unrecht getan.

Es wird schon so gewesen sein, irgend ein Geheimdienst wollte meine scheußliche Ehe zersetzen unter Hinweis auf den Wunsch einer Dame, von mir kontaktiert zu werden. Wird ein Fake gewesen sein, die hat es sich ja nicht gewünscht; immerhin ging die Ehe danach zu Bruch.

 

(Bild: Unbekannter Amifotograf)

 

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