Mietpreissenkung: Raymund

Chipjunge Dell, schwer verliebt und bildungshungrig, entschied nach kurzem Studium in der österreichischen Provinz, „nach Deutschland“ zu gehen. Der Unsinn einer solchen Formulierung war ihm noch nicht klar: Von Deutschland nach Deutschland zu gehen, das ist geisteskranken Dichtern vorbehalten.

Leider hatte man das Gesicht seiner großen Liebe aus Dells Gehirn gelöscht. Dass so etwas geht, war ihm noch nicht klar; man hatte ein halbes Jahrhundert zuvor zwar bereits Atome gespalten und steuerte Dell seit 1977 fern; aber dass die Liebe eines Chipträgers elektronisch beeinflusst werden kann, diese Vorstellung sollte bis 2018 geisteskranken Dichtern vorbehalten bleiben.

Gut, Dell ging „nach Deutschland“ in die große Stadt. Und was traf er dort? Richtig, er traf auf ein Pet, eine vom Geheimdienst bezahlte und angestiftete Dame, die ihn mit ihrem Charme und nicht unschönen Körper ein wenig unter Kontrolle halten sollte.

Da Dell schwer verliebt war und immerzu an die „Gelöschte“, seine große Liebe, die er nicht lieben durfte, weil es sonst zu Problemen mit irgendwelchem Terrorkram gekommen wäre, dachte, musste die bezahlte Schönheit grobe Methoden anwenden. Aber auch daheim in der österreichischen Provinz, bei der großen Liebe, wurden eher grobe Klötze angesetzt.

Unbenannt
Chip vorm Kopf, 1998

Dell wurde von der betreffenden Dame, die den schönen, ein wenig ausländischen Namen „Ay“ trug, zunächst mit traditionellen Mitteln auf Teufel komm raus bezirzt. Als das nicht klappte, weil Dell in Erinnerung an die „Gelöschte“ Widerstand leistete, kramte die Dame ihren Reisepass heraus und wies nach, dass sie „Ay“ hieß, was im Zusammenspiel mit Dells Namen („Mayr“ hieß der Junge) auf Rotwelsch so viel heißt wie

M – Ay – r = Die Ay kannst du vögeln.

Das schien alles Schicksal zu sein, dachte Dell und ließ sich auf eine studentische Liebelei ein, deren Facetten, bei aller Banalität, Jahrzehnte lang ganze Rotten von Geheimdienstlern beschäftigte. Diesen Geheimdienstler des Bayerischen Rundfunks zum Beispiel noch heute.

Wenn es nicht wahr wäre, müsste man sich aus Verzweiflung über solche Geschichten am nächsten Baum erhängen.

Parallel wurde Dells große Liebe mit allen Mitteln, zum Beispiel von Dells Mutter, vor Dell schlecht gemacht, als Vieh, Nutte, gar als freies Sexualwesen (welcher Skandal) diffamiert, ein Unsinn, der übrigens bis heute anhält.

Man schickte ihr ein Äquivalent zu „seiner“ Ay, auf dass es nicht zu Ungleichgewichten käme. Dieses Äquivalent trat fast genau in dem Moment auf den erotischen Plan, als Dell „seine“ Ay zum ersten Mal auf den Mund küsste.

Und wie hieß das männliche Pet, die „Schwanzfee“, wie Geheimdienstlerinnen sagen? Raymund!

R – Ay – mund = Er hat die Ay auf den Mund geküsst.

… bedeutet das auf Rotwelsch, man versteht es aber auch so. Außerdem lässt sich da etwas von Ray (Bombenanschlag) und Maulstopfen hineinlesen. Sprechen wir nicht davon.

Und da sagt noch einer, Geheimdienste verschlüsseln ihre Informationen. M Ay er und Er Ay Mund, das sollte doch gehen. Solche Formulierungen versteht noch die letzte Ul, entschuldigen Sie, noch die letzte Eule, das müsste eigentlich sogar bei der Bundesanwaltschaft oder der Soko 26 gehen.

Auch Raymunds Gesicht löschten sie Dell dauerhaft. Das letzte, woran er sich erinnern kann, ist eine Szene im Nebel einer Bauerndisco, leicht alkoholisiert, in der „Raymund“ die Hand an die Hüfte von Dells großer Liebe legt, heldisch im Ertragen der Tatsache, dass er emotional nichts mehr zu sagen hat.

Der muss ein harmloser, wenn auch pflichtbewusster Mensch gewesen sein, der Raymund. Ay ist lange tot.

 

Dieser Beitrag ist Teil der Reihe Mietpreissenkung, die chronologisch gelesen werden kann (neuester Beitrag ganz oben).

(Bundesarchiv, Bild 119-5592-15A / CC-BY-SA 3.0, bearbeitet)

 

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