Verheiratet mit einer Agentin II

Die Geschichte meiner Ehe mit einer CIA-Agentin fand keine rührselige Fortsetzung. Irgendwann wurde mir trotz allem klar, dass da was faul ist. Was macht man? Was würden Sie tun, wenn Sie dahinterkommen, dass Ihre Frau eine Schauspielerin ist und Sie über Jahre ohne Ihren ernsthaften Widerstand, ja mit ihrer gleichgültigen Zustimmung (man hat wichtigeres zu tun) über den Tisch gezogen hat?

Richtig, Sie würden wohl gar nichts tun und die Dame ihre Arbeit machen lassen. Klar, die Schauspielerin kommt irgendwann auch auf den Gedanken, dass ihr „Opfer“ die Sache durchschaut. Aber was folgt daraus?

Richtig, nichts. Es geschieht nichts. Sie leben einfach weiter.

Auch das kennen wir aus Stasi-Berichten: Das ausgespähte Unschuldslamm von Staatsfeind erkennt die Spitzel in seiner Umgebung (und wenn es auch die Ehefrau ist) und wurstelt einfach weiter. Schließlich hat man sich über Jahre und Jahrzehnte daran gewöhnt, von Spitzeln umgeben zu sein. Diese Leute sind ja auch nicht die Schlechtesten. Man kann sich einigermaßen auf sie verlassen, weil sie schließlich von einer Sicherheitsbehörde kommandiert werden, gar nicht so schlecht.

Fesch sind sie auch, man sucht sie für einen aus. Weiber für Staatsfeinde werden traditionell nach erotischer Präferenz ausgerastert.

Liz_Taylor_and_Richard_Burton_1971
Das Schauspieler-Ehepaar Taylor und Burton, 1963

Der Alltag mit einer enttarnten Agentin hat natürlich auch seine Tücken. Die zeigen sich unter anderem dann, wenn die Gute die Nerven verliert; man neigt nämlich mit der Zeit dazu, doofe Anspielungen zu machen der Art, dass man die schwere geheimdienstliche Arbeit des Lebenspartners offen und ironisch anspricht.

Mir ist es zum Beispiel öfter passiert, dass ich die Frau Agentin bei der Entgegennahme der Befehle ihres V-Mannführers erwischte. Da machen V-Frauen oft ein ziemlich doofes Gesicht, fast erwartungsvoll, wie beim Geschlechtsverkehr, wenn nix weitergeht.

Heutzutage werden die Anweisungen der Führungsoffiziere vor allem über das Fernsehen übertragen (und den Chip im Schädel der V-Leute). Es konnte vorkommen, dass ich, wenn ich sie beim Fernsehen erwischte, dann scherzhaft bemerkte, sie solle doch wenigstens ins Schlafzimmer gehen mit ihrem Geheimdienstheini und das Wohnzimmer nicht als exterritoriales Gebiet der USA betrachten.

Oder man sagt zu den Kindern, wenn die Ehefrau zornig ist und zusammen mit der Schwiegermutter meckert: Kinderlein, ich kämpfe gegen die bösen Geheimagentinnen. Der Phantasie des Staatsfeindes sind da keine Grenzen gesetzt.

Es ergibt sich eine Komplizenschaft; man verzichtet temporär auf den Gedanken, den eigenen Ehepartner in Handschellen abführen zu lassen. Man spielt auch ein wenig mit, nimmt die Schauspielerallüren des Agenten-Lebenspartners an, das färbt ab. Wie bei einem lächerlichen Duett in einer Operette beginnt man, mitzuträllern und falsche Emotionen zur Schau zu stellen.

Lustig war es nicht immer, sicher, man grämt sich, wenn der Lebenspartner hartnäckig wie ein Monster spinnt, weil er Geld dafür bekommt. Lachen kann man trotzdem. Es gibt einen Punkt, an dem der professionellste Agent kichern muss, zum Beispiel, wenn jemand, so wie ich, dermaßen unempfindlich gegen Terror ist, dass er während einer unvorstellbar grausamen emotionalen Misshandlung das Interesse verliert und gähnt.

Grausig ist es auch, wenn Kinder als Hebel eingesetzt werden. Der Krieg gegen die Amerikaner findet auch in der Küche, am Klo, im Bett und im Auto statt.

In meinem Fall war der Verlauf der Ehe tragisch, nicht nur komisch; ich führe das nicht näher aus. Ich hatte und habe das Glück, gegen Unglück fast vollständig unempfindlich zu sein, dazu habe ich zu viel Scheiße erlebt. Man denkt halt nur wie es wäre, wenn einem sensiblen Menschen ein derartiges Schicksal widerfährt, er plötzlich bemerkt, dass er eine professionell bösartige Schauspielerin geheiratet hat.

Bei mir war es halb so wild, ich hatte diese Frau nie geliebt, sie im Grunde (wie man an diesem Artikel sieht) ausgehorcht.

Ich ergriff dann irgendwann die Flucht und heute lache ich die CIA aus, wenn sie mich auch jagen. Wie gesagt: Es ist ein schrecklicher Gedanke, dass ehrliche, sensible Menschen jemanden heiraten, der vom Geheimdienst geschickt wird.

 

(Bild: Mieremet, R., CC BY-SA 3.0 nl)

 

4 Gedanken zu “Verheiratet mit einer Agentin II

  1. Zuleser

    Es gibt nichts richtiges im falschen.
    Dieser Adorno-Sager und Dein letzter Satz erklären einiges, aber widersprechen sich auch.
    Folgendes habe ich bisher auch nicht verstanden: warum der kleine Dell, und was war der Nutzen für die andere Seite – bei so viel Aufwand?

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  2. Kalter Hornung

    Dell macht alles richtig, nachdem sich Ahura Mazda abgewendet hat. Nietzsche mutmaßt ja, Gott sei tot, die Kunst ist es auf jeden Fall. Für den Resteverwerter bleibt nur noch Geheimdienstkram. Das zersört zwar Pheromone, aber jede Wette, daß die CIA-Spießer Dell den letzten Romantiker heimlich bewundern.

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