Verheiratet mit einer Agentin I

In den letzten Tagen habe ich einiges über die Methoden der geheimdienstlichen Zersetzung des Privatlebens geschrieben. Dabei ist es zwangsläufig zu Härten gegenüber noch lebenden Einzelpersonen gekommen. Es ging leider nicht anders.

Heute wird es noch einmal grauslich. Ich werde für die folgende Schilderung nicht die Form des Kunstmärchens oder des plaudernden, scheinbar hingeschluderten Blogartikels verwenden, auch nicht gute Literatur produzieren. Die folgende Schilderung soll ohne Umschweife darlegen, was ich persönlich erlebt habe.

In Berichten über die Staatssicherheit der DDR wird ab und zu erwähnt, dass sogar Ehefrauen und Lebenspartner einzelner Staatsfeinde von der „Firma“ bezahlt worden sind, um die Bösewichte auszuspionieren und zu zersetzen. So etwas ist heute, in der BRD, Alltag. Ich habe es selbst erlebt, und zwar während der Ehe mit einer CIA-Agentin, der ich erst nach Jahren endgültig auf die Schliche kam.

Ich bin ihr heute nicht böse; sie hat ihren Job gemacht wie tausende andere auch. Alles hat so angefangen:

Unterschreiben_des_Hochzeitsvertrages
Brautpaar bei der Unterzeichnung eines Ehevertrages

Als ich nach einer Jugend voller äußerlich unauffälliger, so doch staatsfeindlicher Aktivitäten ein wenig älter geworden war und sesshaft (und gefährlich wirksam) zu werden drohte, brach plötzlich eine Welle der Zersetzung gegen mich los. Die CIA mobilisierte buchstäblich Himmel und Hölle und das Herzilein von Nebenan, um mein Leben auf den Kopf zu stellen.

Am Höhepunkt der Verunsicherung, ich hatte wieder einmal alles verloren und stand lachend am Abgrund, da tauchte plötzlich eine fesche Blondine mit sportlichen Haxen auf, die unsterblich in mich verliebt zu sein schien.

Ich war es nicht, ließ mich aber auf eine Affäre ein in der Vorstellung, der Sexualität Raum geben zu müssen. Schön war das nicht; die Dame machte trotz strotzender Gesundheit einen mitleiderregenden Eindruck und brachte mich bald dazu, eine Art Lebensgemeinschaft zu bejahen.

Wie die Geheimdienste halt so sind, brachte man gleich ein paar Scherze unter. Die Dame hieß wie mein Lieblingsfilm und ihr Vorname war dem der vorangegangenen Lebensgefährtin bis auf einen Buchstaben gleich. Stellen Sie sich vor (nur ein Beispiel), Ihr Lieblingsfilm heißt „Krambambuli“ und sie treffen eine in sie verliebte Frau namens Krambambuli immer dann, wenn Sie kurz zuvor den Film gesehen haben, ziehen dann mit ihr zusammen usw.

Oder Sie sind mit einer Lotta zusammen und man drückt Ihnen eine Lotte aufs Auge.

Oder Sie machen eine Doktorprüfung und ihre Prüferin heißt Lotta de la Motte (Lotta, in Deutschland motte sie ein; andere Übersetzungsmöglichkeit hier lieber nicht).

Es gehört eine ungeheure Abgebrühtheit dazu, unter derartigen Umständen eine Lebensgemeinschaft einzugehen zumal bedacht werden muss, dass man solchen Agentinnen weismacht, der zu bezirzende Mann sei „ahnungslos“ und die Damen meist auf die allerhärtesten Burschen angesetzt werden. Wer sehenden Auges einen solchen Giftpilz verspeist, darf sich später nicht beschweren.

Am Ende ist die CIA mit ihrer Agentin ja an mir verzweifelt.

Kurz nach dem Zusammenziehen (ich finanzierte alles…) erwies sich die Fee der CIA als ein wahrer Alptraum. Sie simulierte eine flotte Borderline-Störung mit allen Schikanen, die hier nicht genannt werden sollen und wollte mir das Leben zur Hölle machen. Wie es meinem Naturell entspricht, verlor ich irgendwann das Interesse an diesen Mätzchen und ignorierte die täglichen filmreifen Szenen.

Mir fehlte einfach das Interesse am weiblichen Terror. Wenn es einem schlecht geht als Mann, kann man sich ja immer noch aufhängen. Das genügt dann eigentlich.

Immer wenn es mir zu viel wurde und ich das Weite suchte, wurde dann auf Mitleid gemacht; die Dame hatte ihre Schulungen absolviert, das sage ich Ihnen. Und als ich mich getrennt hatte, wurde rasch eine Schwangerschaft fingiert, auf dass der Staatsfeind gerührt sei und zurückkommt.

Ich bezahlte alles; manchmal flüsterte die CIA-Fee, die ich dann auch ehelichte, mir zu: „Es ist zum Mäusemelken“, was Rotwelsch so viel heißt wie „Sagst eh nichts, ich sag auch nichts, deine Alte sagt, sie hat eine schöne Beziehung und ich darf dich ausnehmen.“

Wie bitte? Werden Sie sagen. Ein starkes Stück! Der Kerl heiratet eine Fee, verliert das Interesse an ihrem Terror und sie sagt ihm auch noch ins Gesicht, dass die Frau, mit der er eigentlich immer zusammen sein wollte (eine andere!) im Moment eine schöne Beziehung, die Fee also die Berechtigung hat, den Mayr auszunehmen.

Mehr dazu im nächsten Teil. Ein starkes Stück, wenn auch schwache Prosa.

Teil 2

 

(Bild: Benjamin Rennicke, CC BY 3.0)

 

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