Erinnerung an die Bücher II

In der Zeit, in der ich noch Bücher hatte, dachte ich recht gern an das Büchlein „Gewissheit im Mohn“. Ich las es nur selten; es war eine schöne Ausgabe aus dem Verlag Volk und Welt, und den Autor Franz Kain habe ich ein paarmal persönlich getroffen, wenn die Erinnerung an ihn auch ein wenig schmerzlich ist.

Es muss 1994 gewesen sein, ich war fanatischer Kommunist, wenn auch leicht national und antisemitisch angehaucht, auf jeden Fall traf ich diesen Franz Kain nach einer Lesung im so genannten Salzburger Literaturhaus, einer abstoßenden linksliberalen Institution, vor der mich schon damals schwer gegraust hat.

Die damals aufbrausende antideutsche Welle verwunderte und befremdete mich.

Zusammen mit einem Freund, der Kain schon länger kannte, hätten wir einen „Sturm“ trinken wollen, einen österreichischen Federweißen, der im alpenländischen Dreckstaat nicht als Alkohol gilt. Kain wollte den von mir angebotenen Sturm nicht trinken; möglicherweise hatte ihm jemand gesteckt, dass ich ein Roboter bin und/ oder es ist ihm schlecht geworden.

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Plakat der Kommunistischen Partei Österreichs (1994)

Gut, ich war damals sein Leser und wäre es auch heute noch gern. Der Erzählband „Gewissheit im Mohn“ hatte einen bunten, gedeckten Einband (wie man ihn sich nur im Realsozialismus vorstellen kann) und die Titelerzählung handelt von einem jungen Soldaten, der die letzten Tage der Wehrmacht in Libyen mitmachen muss.

Noch heute kommt mir eine kleine Träne, wenn ich an das Selbstgespräch dieses sterbenden Landsers denke, der auf einem Bahngleis liegt, neben einem Mohnfeld, den Körper zerschossen und ohne Hoffnung. Die „Gewissheit im Mohn“ ist die Vorstellung des Soldaten, dass „ein General niemals sagen wird, es ist zu Ende“, wie Kain formuliert.

Kain als Kommunist wollte durch diesen Satz wohl sagen, dass man als Prolet selber mit dem Krieg aufhören muss, die Oberen werden es nicht tun. Die Dichtung Kains sagt etwas anderes; sie ist eine Verherrlichung des Todes, ein Lied vom Sterben und ein Hohelied auf den Untergang der grauen Kolonnen.

 

(Bild: KPÖ)

 

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