Massenmord und Menschenrechte in Bologna

Bei der Durchsicht einiger Akten zum Anschlag von Bologna (2. August 1980, dutzende Tote und hunderte Verletzte, Sprengladungen im Bahnhofsbereich) ist mir wieder ein Phänomen begegnet, das in Akten zu staatsterroristischen Anschlägen öfter zutage tritt: Die Ermittler arbeiten zwar in die falsche Richtung, hinterlassen der Nachwelt aber Spuren in die richtige Richtung, als ob sie darauf hinweisen wollten, dass sie keine schlechten Menschen und Ermittler gewesen wären.

Auch beim Anschlag von Bologna ist das offenbar so.

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Das Opfer Carla Gozzi. Von ihrem angeblichen Begleiter gibt es kein Foto in den Akten

Bei den Ermittlungsarbeiten ist einem Staatsanwalt (die sind in Italien nur ihrem Gewissen verantwortlich und keine weisungsgebundenen Beamten wie in Deutschland) aufgefallen, dass zahlreiche Opfer in den Akten „fehlen“. Man hatte zwar angebliche Namen und Leichen, die Opfer waren aber nicht sicher identifiziert worden.

Der Staatsanwalt, den ich hier nicht nenne, stellte daher Nachforschungen an und stieß auf einen Entführungsfall im Libanon. Dorthin hatte der italienische Militärgeheimdienst damals eine Reihe von Scheinspuren zu angeblichen Tätern gelegt, war aber beim Fälschen erwischt worden (der Verantwortliche, ein gewisser Musumeci, wanderte dafür in den Knast).

Unbenannt
Mandat einer Menschenrechtsorganisation für Nachforschungen zu einem Entführungsfall im Libanon, 1983 (Akten Staatsanwaltschaft Bologna)

1980 waren einige Dutzend Libanesen „spurlos verschwunden“ und bald war der Verdacht aufgekommen, die libanesischen Faschisten (Falange) hätten sie als Regimegegner entführt.

Bewiesen wurde nie etwas; dem italienischen Staatsanwalt war aber ein Zusammenhang zwischen den Fälschungen des italienischen Militärgeheimdienstes und diesem Entführungsfall aufgefallen. Merkwürdig erschien ihm zudem, dass sich kurz nach der angeblichen Entführung eine Menschenrechtsorganisation unter der Leitung eines gewissen Blum gleichsam das gutmenschliche Monopol der „Aufklärung“ des Falles sicherte.

Sowohl der Militärgeheimdienst als auch Blum beschuldigten „Faschisten“. Beweise gab es keine, im Gegenteil, die Verdachtsäußerungen stellten sich als Lügen heraus. Dafür, dass Musumeci Karl Heinz Hoffmann (!) beschuldigt hatte, ging er in den Knast (in der BRD unvorstellbar; da gibt es den bayerischen Filmpreis für so etwas).

Ich kommentiere die These des italienischen Staatsanwalts nicht, dass die Entführung in Wahrheit eine israelische Aktion im Libanon gewesen sein muss, die von der Menschenrechtsorganisation „vollendet“ worden ist, indem sie die Opfer „befreite“ und in den Bombenzug setzte.

So etwas kann es in der westlichen Welt doch nicht geben.

 

(Foto Carla Gozzi: L’associazione 2 Agosto 1980)

 

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