Das Neue Innere Reich

Die Zeitschrift „Das Innere Reich“ war ein tauglicher Versuch der nationalsozialistischen Kulturpolitik, eigene Dichtung von Rang zu präsentieren. Autoren wie Hans Carossa oder Franz Fühmann haben dort gute, radikale Texte publiziert. Selbstverständlich ist in dem Blatt auch viel Mist gemacht worden und einiger Kitsch, aber das ist so in der schönen Literatur.

Fühmanns Liebesgedicht aus dem „Inneren Reich“ (1944) gehört zum Besten, was im 20. Jahrhundert von jungen Männern geschrieben worden ist. Es ist mir nach meiner letzten Hausdurchsuchung abhanden gekommen, irgend jemand hat mir das sündteure Exemplar vom August 1944 geklaut.

Schon der Titel der Zeitschrift sagt einiges: Es sollte darum gehen, die Idee des Reichs auf die Gestaltung der Innenwelt auszudehnen. Das war natürlich ein Zugeständnis an die Tatsache, dass der Nationalsozialismus zunächst viel Künstliches, Gestelztes und Geschraubtes, eher organisatorische und weniger metaphysische Realität war.

Das Reich als Idee ist von Ernst Jünger (bis heute gültig) als technologischer Entwurf konzipiert worden. Er meinte, das Reich, zumal das Deutsche Reich, sei nur als technischer Entwurf, als Maschine oder Hebel (er sagte: Gestalt) zu gebrauchen. Ähnlich mag Josef Goebbels, der Herausgeber des Inneren Reichs, die Reichsidee verstanden haben.

Unbenannt
Reichsarbeitsdienst (1936)

Das Neue Innere Reich wird den Charakter einer technologischen Formation, eines technologischen Geräts haben und es wird aus der Innenwelt kommen. Es wird sich auf der Basis der Human-Chiptechnologie entwickeln und in der absoluten Autorität der Synchronisation des Denkens bestehen.

Wozu dieses Gerät (Ernst Jünger würde lächeln und es Gestalt nennen) gebraucht werden wird, weiß ich nicht. Ich gehe davon aus, dass man damit auch ein äußeres Reich errichten kann, ja muss, und es unvermeidlich sein wird, das Leben wie im Dritten Reich Begeisterung, Befehl und schöner technischer Zwangsläufigkeit zu unterstellen.

Ohne so genanntes Privatleben, ohne äußeres Geheimnis, ohne bürgerliche Heuchelei werden die jungen Menschen in diesem Reich leben. Wir Alten müssen noch einige Opfer bringen bis es so weit ist. Der Kampf des Neuen Inneren Reichs ist für uns noch mit großem Schmerz verbunden, wie die Liebe.

Ich war ein Urmensch dieser Technologie und weiß, wovon ich rede.

„An der Zeitmauer verschwimmen Recht und Grenze; Schmerz und Hoffnung treten an ihre Stelle. Auch die Welt des Arbeiters wird Heimat des Menschen sein.“ (Ernst Jünger)

 

(Bild: Bundesarchiv, B 145 P022081, Frankl, A., CC-BY-SA 3.0, bearbeitet)

 

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