Die Einzelmeinung des PD Menzel

Ich werde heute ein konkretes Beispiel für die geheimdienstliche Einschüchterung eines journalistischen Aufklärers geben (obwohl ich den Begriff des Journalismus für einen Unsinn halte weil damit zumeist geheimdienstliche Desinformation bezeichnet wird).

Der Aufklärer bin ich und eingeschüchtert hätte ich werden sollen.

Es war im Frühjahr 2016, ich berichtete aus dem NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestages. Zu diesem Zweck hielt ich mich in der Vorhalle eines Sitzungssaales auf; Brötchen und Mineralwasser wurden verzehrt. Ich unterhielt mich gerade mit einem Journalisten des MDR, da schnauzte mich mein lieber Freund KHK Wötzel aus Thüringen an.

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Der so genannte Deutsche Bundestag im Abendlicht

Das war noch eher lustig, wenn es auch gruslig ist, von einem körperlich unterlegenen Mann angemacht zu werden.

Aber dann… ich betrat den Sitzungssaal und hörte stundenlang zu. Plötzlich ergriff PD Menzel das Wort und rechtfertigte sich für allerhand Schmarren vom 4. November. Mich geht der Kram heute nichts mehr an, auch damals interessierte mich das Chaos der Thüringer Polizei nicht besonders.

Da schielte Menzel zu mir auf die Tribüne und sprach mit schneidendem Ton das Wort

EINZELMEINUNG

Was wollte mir der Kerl damit sagen? Ich grübelte ein wenig und kam zu dem Schluss, dass ihm ein tolles, vieldeutiges Rotwelsch-Wortungetüm gelungen sei (bei anderen macht das ja der Chip im Schädel; nur Menzel hat keinen).

Was sollte das heißen?

Vor allem heißt es: Ei (bzw. Eu, also Partnerschaft, Liebe) n (nicht) zel (Zelle, Haft) mein Jung (was verständlich sein dürfte). Menzel sagte also zu mir:

„Du hast eh eine Beziehung und sitzt nicht in Haft mein Junge.“

Danke, Herr PD Menzel! dachte ich mir da und schaute mich als damals verheirateter Mann kurz nach der feschesten linken Journalistin der so genannten BRD um.

Mir ging noch schnell durch den Kopf, dass das auch geheißen haben könnte, die Spezialisten der Geheimdienste sind besser als die normale Polizei und man soll sich gefälligst nicht über seine Leute aufregen. Naja.

Nett, dass mir Menzel durch die Blume mitteilte, ich solle doch froh sein, eine Beziehung zu haben und nicht im finsteren Loch zu sitzen. Wenn Menzel gewusst hätte… aber ich will den Geheimdienst, für den meine damalige Frau gearbeitet hat, nicht gegen sie aufbringen.

Lieber Leser, ich sage Ihnen: Das Leben als Nationalrevolutionär ist nicht immer so lustig wie in dieser Sitzung des Bundestages. Ein paar Tage nach Menzels Botschaft schnüffelte schon das LKA in meinem Treppenhaus, und ein halbes Jahr später hatte ich alles, aber auch alles Überflüssige im Leben verloren.

 

(Bild: Jürgen Matern, CC BY-SA 3.0)

 

 

 

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