Propheten bei der Stasi

In den frühen 80er-Jahren kam bei der Staatssicherheit der DDR die Befürchtung auf, die westlichen Geheimdienste, insbesondere der CIA, könnten dazu übergehen, den so genannten rechtsradikalen Terrorismus den sozialistischen Ländern in die Schuhe zu schieben.

Das klingt zunächst absurd, auch aus heutiger Sicht. Welchen Sinn hätte es haben sollen, ausgerechnet den DDR-Tschekisten die Aktivitäten westlicher Nazi-Provokateure anzuhängen? Welches Interesse hätte die DDR an derartigen Hakenkreuz-Geschichten haben können?

Ein Analytiker aus der Normannenstraße gelangte 1981 mit Bezug auf einen westlichen Presseartikel zu dem Schluss:

Der (…) Artikel ordnet sich in die zunehmenden Bestrebungen der bürgerlichen Presse der BRD/WB ein, die sozialistischen Länder für die Steuerung bzw. Unterstützung des internationalen Terrorismus verantwortlich zu machen und den bewaffneten nationalen Befreiungskampf vieler Volker (z.B. auch der PLO) als Terrorismus zu verleumden.

Innerhalb dieser Kampagne sind insbesondere nach dem Bombenanschlag auf das Oktoberfest 1980 in München die Versuche verstärkt worden, die sozialistischen Länder auch für die Organisierung und Steuerung rechtsextremistischer Terrorkräfte verantwortlich zu machen.

(Interner Vermerk, Abt. XXII, 23.4. 1981)

Man vermutete eine doppelte Strategie, die in Wirklichkeit eine einheitliche Strategie war. Diffamierung der sozialistischen Länder, insbesondere der DDR, und Diffamierung von Freiheitskämpfern in aller Welt. Nur die politische Gehemmtheit des Stasi-Mitarbeiters kann erklären, dass hier nicht direkt die offensichtliche Wahrheit ausgesprochen wird:

Die US-amerikanischen Geheimdienste wollten Anfang der 80er-Jahre mit derartigen Späßen einen beginnenden deutschen Freiheitskampf (also den ehrlichen Teil der deutschen Nationalbewegung) diffamieren.

Nationalistische Gewalt richtet sich gegen Besatzer, nicht gegen Schwache. Das wird gern vergessen. Alles andere ist geheimdienstlich gesteuerte Provokation.

Tatsächlich hat die Stasi den so genannten rechten Terror (Angriffe gegen Angehörige von Minderheiten oder gegen Linke) nie unterstützt; das ging schon deshalb nicht, weil dieser so genannte rechte Terror in den allermeisten Fällen gar nicht stattgefunden hat sondern Legende war.

220px-RAF-Bombenanschlag_in_Ramstein,_1981
Nach dem Anschlag auf Ramstein

Stattgefunden haben Angriffe gegen die Besatzungsmächte, vor allem gegen die USA. „Rechter Terror“ war das aber keiner; auch die RAF hat die Besatzungsmächte angegriffen.

Die allermeisten echten Terroranschläge (wie das Oktoberfestattentat) in der BRD wurden ohnehin von den westlichen Diensten (die nicht rechtsradikal sind) organisiert und anschließend den Rechten (noch öfter den Linken) in die Schuhe geschoben.

Nach dem von der Stasi beschriebenen Schema werden bis heute Presseartikel verfasst. Gott sei Dank wird es Zeitungen nicht mehr ewig geben.

 

(Bild: Unbekannte Amiquelle)

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