Stasi-Schrott zum Oktoberfestattentat

In den bürgerlichen Medien ist seit Jahren die Rede von ominösen Aktenbeständen der Stasi zum Oktoberfestattentat. Ich habe mir den Kram widerwillig aber endlich doch angesehen und kann dem Leser einen kurzen Bericht aus Sicht eines altgedienten Akten-Rebellen erstatten.

Diese Sicht unterscheidet sich gewaltig von der Sicht bürgerlicher Journalisten.

Zunächst ist zu sagen, dass die Stasi sich beim Oktoberfestattentat nicht in die Karten schauen hat lassen. Was man konkret wusste, wurde offenbar nicht schriftlich festgehalten oder ist in Akten ausgelagert worden, die über das normale interne  Suchsystem der Stasi nicht auffindbar waren.

Unbenannt
Aktendeckel: Aktenschrott, Aktenbehörde, Stasiunterlagenbehörde, zum Verzweifeln

Was man findet, sind kleine absurde Geschichten über die WSG, lächerliche persönliche Unterstellungen irgendwelcher Spitzel und ein paar Zusammenfassungen offenbar kompetenter Analysen, denen man deutlich ansieht, dass sie unter der Vorgabe absoluter Zurückhaltung verfasst worden sind.

Ich selbst gehe davon aus, dass man in der Normannenstraße selbstverständlich wusste, dass das Oktoberfestattentat nachweisbar ein israelischer Anschlag ist. Aus Gründen, die zu recherchieren viel Arbeit machen würde, hat man den Mund gehalten und nicht einmal versucht, die Wahrheit über irgendwelche seltsamen Auslandsaktivisten indirekt zu verbreiten.

An manchen Stellen hat die Stasiunterlagen-Behörde der BRD jene Blätter herausgenommen, aus denen allzu deutlich hervorgeht, dass die Stasi die offizielle Version vom rechtsradikalen Anschlag widerlegt hat. Derartige Passagen gibt man nicht heraus, auch nicht solche, die im Tonfall ein wenig abfällig klingen (so macht man sich ein wenig lustig über die Vorstellung, die WSG könne allen Ernstes etwas mit dem Anschlag zu tun haben).

Sogar über die Vorstellung, die Stasi könne etwas mit dem Attentat zu tun haben, scheint man geschmunzelt zu haben, wenn solche Unterstellungsversuche (die in offen absurder Form bis heute andauern) auch strategisch diskutiert wurden.

Die grauen Herren mit ihren Prinz-Heinrich-Mützen dürften eine lockere Sicht auf den Anschlag entwickelt haben. Hier Ostberlin, macht euren Propaganda-Scheiß alleine, das ist mein Resümee.

 

 

Ein Gedanke zu “Stasi-Schrott zum Oktoberfestattentat

  1. Adebar

    Selbst Bundesbürger, die nur durch die DDR gefahren sind um in Berlin-Spandau zu demonstrieren, wurden beim MfS aktenkundig. Vor ca. 15-20 Jahren hatte sich ein Weggefährte von mir die Mühe gemacht und die Gauck-Behörde zwecks Aktenauskunft angeschrieben und welch Wunder er gab eine Akte über ihn.

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