Hans Langemann, Autor der Oktoberfestlegende

Immer wieder wird bei staatsterroristischen Verbrechen die Frage gestellt, wer sich den ganzen Kram ausgedacht haben könnte und vor allem, welche Motivation ein Staat und seine Behörden haben könnten, sich einen solchen Kram auszudenken.

Man kann für die Hintergründe der Legendierung staatsterroristischer Verbrechen eine Gemengelage an unterschiedlichen Motivationen herausarbeiten. Meistens sind solche Aktionen auch so gemacht, dass sie zahlreiche Lesarten zulassen.

Erstens, weil man unterschiedliche Interessen und taktische Motive damit bedienen muss, zweitens, weil diese Legenden immer auch Knotenpunkte der geheimdienstlichen Kommunikation und der geheimdienstlichen Wissensverhandlung sind, wie Bibliotheken.

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Irgendjemand muss sich den Schmarren aber ausdenken und ihn hinschreiben, wie einen Roman. Jeder staatsterroristische Anschlag hat Autoren, die wie jeder normale Dichter auch persönliche Spinnereien, thematische Vorlieben, sprachliche Eigenheiten und damit personenbezogene Spuren im Werk hinterlassen.

Der Chef des Bayerischen Staatsschutzes Hans Langemann war so ein Autor. Aus dem Krieg hatte er eine schwere Kopfverletzung mitgebracht, und der Geheimdienst war sein Leben.

Er hat die Scheinspuren um das Oktoberfestattentat, die Legende vom so genannten rechtsradikalen Hintergrund, erfunden. Er hat das Märchen geschrieben, das bis heute von Leuten wie Chaussy nachgebetet und immer wieder neu ausformuliert wird.

Langemann musste dazu eine Art Drehbuch schreiben, das dann über die Polizei und über V-Leute verschiedener Geheimdienst in die Realität des tatsächlichen Geschehens umgesetzt worden ist. Um den Kern eines eiskalt ausgeführten, von gesichtslosen Profis staubtrocken durchgezogenen Anschlags (Massenmords) gruppierten sich dann im Nachhinein Schmierenkomödien, die die linken Journalisten ausbeuten durften.

In der nächsten Zeit werde ich Ihnen den Autor Langemann Stück für Stück näher bringen. Es wird sich herausstellen, dass er sein Autoren-Handwerk von der Pieke auf gelernt hat und dass das Oktoberfestattentat sein Meisterstück werden hätte sollen. Da ging aber – für ihn leider – einiges schief.

Schon in den 60er-Jahren deckte Langemann mit seiner Dissertation das Attentat von Sarajewo professionell ab; übrigens mit dem Phantom einer „Wehrsportgruppe“. Diese Bezeichnung verwendete er tatsächlich. Dazu mehr in der nächsten Langemann-Betrachtung.

 

(Foto Luger 08: Adams Guns, bearbeitet)

 

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