The Ape: Dell im Schattenreich II

Unser Chipjunge Dell, seines Zeichens ohne sein Wissen Agent der CIA und gesteuert von einem bajuwarischen Lackel (vom Rande des Dorfes, von einem Kastenwagen aus) gerät Ende der 70er-Jahre in die Lage, Mordbanden ausspionieren zu sollen. Dazu lässt man ihn einfach unter ländlichen geheimdienstlichen Killern aufwachsen und benutzt ihn wie eine lebende Überwachungskamera.

Die grusligen Gestalten in Dells Umgebung leben das normale Leben von Landproleten. Sie quatschen Rotwelsch und gehen ihrem konspirativen Handwerk nach wie Viecher, wie Reptilien unter der Erde. Die Polizei ist machtlos.

Blick in den Pinzgau
Blick in den Pinzgau (Salzburger Land)

Man sollte den Amis nicht voreilig gute Absichten unterstellen, aber der Plan, das Hexengezücht dieser V-Mannstrukturen wenigstens ein wenig unter Kontrolle zu bringen, mag im Ansatz ehrenwert gewesen sein. Was Dell geschah, steht auf einem anderen Blatt. Jeder kann sich ausmalen, dass die Giftmischer in seinem Umfeld kein Interesse am Gelingen seines Lebens hatten.

Wie soll man das Leben einer menschlichen ferngesteuerten Puppe erzählen?

Schon mit drei, vier Jahren war Dells eigenes Gefühlsleben vollständig verbraucht. Er wurde von seinem Steuermann bloß noch dann mit Gefühlen versorgt, wenn Todesgefahr bestand. So jagte ihn der Steuermann von den ärgsten Fallstricken weg, schließlich hatte man viel Geld in ihn investiert.

Andere Kinder waren zuvor und zu gleicher Zeit einfach am Chip verreckt, weil sie die Fernsteuerung nicht aushielten, eigene Zustände und Gedanken forttrieben und beseitigt werden mussten.

Als Dell drei Jahre alt war, verabschiedeten sich die Eltern für einen Abend. Die jugendliche Tochter einer Nachbarin sollte auf ihn aufpassen. Der Fernseher lief in der kleinen Wohnung; das Mädchen hatte Dells Zimmertür einen Spalt offen gelassen, damit die Angst vor der Dunkelheit nicht allzu groß wird.

Dell griff nach einer Pfauenfeder, die seit er denken konnte neben seinem Bett lag. In seinem Herzen war die Nacht; der Mond spiegelte sich am Fensterglas.

Plötzlich klopfte es an der Eingangstür. Eine ältere Frau wollte in die Wohnung und rief den Namen des Mädchens, das heftig erschrak. Regungslos, empfindungslos stocherte Dell ins Kopfkissen; da entschloss sich das Mädchen, die Eingangstür nicht zu öffnen und die alte Fuchtel klopfen zu lassen.

Es war ausgemacht gewesen, dem Kind an diesem Abend „die Würze zu geben“ und die Tochter der Nachbarin hatte für ihr Stillschweigen Geld erhalten. Dass sie Zicken macht, wird unserem Chipjungen das Leben retten.

So ähnlich verlief sein Leben. Irgendwann hatte er die Schnauze voll.

 
Dieser Beitrag ist Teil der Reihe Mietpreissenkung, die chronologisch gelesen werden kann (neuester Beitrag ganz oben).

(Bild: Arnulf zu Linden, CC BY SA-3.0)

 

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