Wer hat die Bombe gebaut? Teil 2

Im ersten Teil dieser kleinen Serie wurde dargelegt, dass das Bayerische LKA in den Jahren 1980 bis 1982 weder den Zündmechanismus noch den verwendeten Sprengstoff und schon gar nicht den Techniker ermittelt hat, der die Bombe des Oktoberfestanschlags gebaut hat.

Heute werde ich einige Ansatzpunkte darstellen, von denen ausgehend diejenigen ermittelt werden können, die die Bombe technisch realisiert haben.

Damit die folgende Darstellung für den Leser Sinn haben kann, muss zunächst ein wenig über die Arbeitsweise von Geheimdiensten bei der operativen Planung solcher Mordeinsätze (und anderer, weniger spektakulärer Einsätze) gesprochen werden.

Der konkrete Ablauf und der Kontext solcher Aktionen wird von den Geheimdiensten nicht etwa (wie man dies vom Militär und aus der Wirtschaft kennt) ausgehend von einem operativen Ziel, unter Optimierung der zu erwartenden Ergebnisse, rational strukturiert und formuliert.

Vielmehr liegen der konkreten Planung irrationale Strukturen zugrunde, die eine Rückverfolgung zum Planungs-Akteur erschweren und eine beziehungsreiche, vieldeutige Erzählung festlegen, von der ausgehend konkrete Festlegungen getroffen werden.

In diesem Fall ist es die irrationale Erzählung von einer britischen Mörsergranate, die von einem Neonazi am Eingang der Theresienwiese gezündet wird.

2
Schematischer Aufbau einer Mörsergranate. Kopie einer militärischen Dienstvorschrift (Beschlagnahme Inhalt Panzerschrank Hans Langemann)

Wie setzt ein Geheimdienst eine solche Erzählung konkret in die Tat um? Ich werde das später mit einer These beantworten. Zunächst zu den beweisfähigen Aspekten.

Oben sehen sie eine schlechte Fotokopie aus einem Akt, der nach der Hausdurchsuchung bei dem bayerischen Staatsschutzchef Langemann angefertigt worden ist. Die Sondereinheit des LKA hat damals einfach den Inhalt seines Panzerschranks auf einen Kopierer gelegt, bevor das Zeug von der Regierung „in Empfang genommen“ worden ist (selbstverständlich schützte man den CIA-Agenten Langemann).

Man verhaftete Langemann, weil seine Rolle beim Oktoberfestattentat für jeden Deppen offenkundig geworden war. Warum? Weil sein Panzerschrank voller Beweise für die Täterschaft beim Oktoberfestattentat war. Er war zum Sicherheitsrisiko, wohl auch frech geworden.

Oben sehen Sie einen solchen Beweis; Langemann hatte die Abbildung selbst in Kopie bei sich. Die Kopie tauchte in identischer Form auch in den Ermittlungsakten der SOKO auf, die die Struktur der Bombe ermitteln sollte. Nur ein Problem ergab sich: Langemann hatte die Kopie bereits vor dem Anschlag zugeschickt bekommen, einen Eingangsstempel draufgesetzt und den Absender an den Rand notiert.

Den Absender habe ich zu meiner Sicherheit von der Abbildung abgeschnitten.

Das allein wäre erst ein Indiz für Vorwissen. Es verhält sich aber so, dass die Struktur dieser Granate, der Text und die Abbildung der Dienstvorschrift, gleichzeitig eindeutige  Hinweise auf die Durchführungsmodalitäten des Attentats und die Täter enthalten (Analog zur Abbildung im letzten Artikel der Serie).

Das wird konkret zu zeigen sein.

Man kann also sagen, dass der Anschlag nach dem Muster eines Textes konzipiert worden ist, der aus einer mehr oder weniger willkürlich gewählten Passage aus einer militärischen Dienstvorschrift hervorgeht. Die Kabbalistik der Geheimdienste erweist sich so als technische Facette der operativen Planung.

Es ist eine ironische Randbemerkung wert, dass die handschriftliche Notiz auf dem Aktenblatt ebenso auf den konkreten Absender verweist und die Kopie der Einfachheit halber später von der SOKO einfach in die eigenen Akten verfrachtet worden ist (unter Löschung der Notiz zum Absender…). Es gab ja nur eine solche Dienstvorschrift, man hätte nichts anderes finden können.

Im nächsten Teil der Reihe werde ich die konkreten Zusammenhänge zwischen dem Text der Dienstvorschrift und dem Ablauf des Anschlags darlegen.

 

Fortsetzung dieser Untersuchung, Teil 3

(Dokumente: NSU Leaks)

 

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