Hase 24: Liebe im Krieg

Getreu dem ehrenhaften Motto dieses Blogs, dass nämlich hier rationale Geheimdienstkritik mit poetischen Motiven verbunden wird, heute ein Beitrag zur technologischen und soziologischen Realisation von Liebe im Geheimdienstmilieu.

Die große Macht der Geheimdienste schließt die Instrumentalisierung von Gefühlen, ganzen Lebensläufen und vor allem von subjektiver Ideologie mit ein. Das geschieht über mittelbaren Zwang, Folter, Einschüchterung und materielle Korruption. Zusätzlich werden alle poetischen Möglichkeiten mobilisiert, die der Mensch im Zeitalter der Schädel-Chips hat.

Geheimdienste sind damit auch in der Lage, charmant zu sein und echte Poesie, echte Liebe und des Menschen Herz selber für ihre Zwecke einzuspannen. Dazu heute ein Beispiel.

feldgendarmerie
Lego-Männchen der Feldgendarmerie on the run. Werbung der japanischen Firma Brickizimo

Das Unternehmen HSE24, ein Akteur des so genannten Shopping-TV, führt die Marke Dr. Peter Hartig, ein Angebot aus dem Bereich der Nahrungsergänzungsmittel. Man kann diese Produkte erwerben, um Algen und anderes gesundheitsförderndes Zeug zu sich zu nehmen.

Solche trashigen TV-Formate sind selbstverständlich ein Paradies für die Geheimdienste; dort können die Produktdesignerinnen ihre Rotwelsch-Exzesse als Plattform für die geheimdienstliche Kommunikation entwickeln, bis der Arzt oder der Führungsoffizier kommt. Ganze Heerscharen von V-Leuten beziehen ihre Informationen aus dem Shopping-TV.

Ich gebe zu, diesen Scheißdreck von Zeit zu Zeit mit einigem Schmunzeln und auch mit sexueller Erregung zu konsumieren; welcher halbwegs normale Mann täte das nicht. Der Kram ist so gemacht, dass das geschieht.

Zufällig kenne ich die Produktdesignerin von HSE24, die den „Dr. Peter Hartig“ ins Programm geholt hat, recht gut. Uns verbindet so einiges; die Geheimdienste haben über Jahre Unsummen dafür ausgegeben, dass aus uns nichts wird. Es wäre einfach unangenehm gewesen, wenn der Dokter (nämlich ich) mit einer solchen Dame zu mauscheln beginnt.

Womit wir beim Thema wären.

Über Scherze wie zum Beispiel die Namensgebung einer Nahrungsergänzungsmarke wird im Geheimdienstmilieu nämlich universell, auch privat, kommuniziert.

Die Designerin hat sich in diesem Fall den Herrn Hartig (der Chip in ihrem Schädel hat ihr geholfen, aber sie hätte es wohl auch so hingekriegt) ausgesucht und ihn ins Programm geholt, weil sein Name auf Rotwelsch einen großen Teil unserer Beziehung (wenn man das so nennen will) und der (vorgeblichen) Empfindungen der Dame erzählt.

Ich schlüssle diesen semantischen Cluster ein wenig auf und erkläre dann, wie die resultierende Kommunikation funktioniert und welchen Sinn das für die Geheimdienste hat.

Dr. Peter Hartig

Doktor (Mayr) Pet (kleine Nutte) er (ist er) Har (da lache ich laut) tig (und das gefällt mir) oder:

Doktor (Mayr) P (was er gequatscht hat) et er (soll er zurücknehmen) Hart ig (da bin ich hart) oder:

Doktor (Mayr) Pet er (hat eine Nutte an die Seite gestellt bekommen) Hart (das ist hart für mich) i g (aber ich schweige)

und so weiter.

Ich referiere hier nicht alles, ein wenig Privatsphäre braucht der Mensch (har). Man kann eine Markenbezeichnung wie diese, weil sie viele Auslegungsmöglichkeiten hat, als Medium der gefühligen Meditation benutzen und versuchen, herauszubekommen, was einem die Autorin damit sagen will.

Chipträger meditieren oft wochen- und monatelang über einen solchen Kram; das ist ihr Ersatz für reale Beziehungen. Nach Jahren der Grübelei ist das Seelenleben dann vollkommen abstrakt und der Chipträger reif für die Klapse.

Tatsächlich kommt hier aber auch auf erstaunliche Weise ein ganzer Lebenslauf, das Schicksal einer Liebe zum Ausdruck.

Wie bereits oben ersichtlich erschließen sich subjektive Aggressionen, Beschreibungen von Beziehungen und reale wie imaginäre soziale Perspektiven aus dieser Botschaft.

Solche Mitteilungen sind natürlich (meinen Spitznamen „Doktor“ kennt in der BRD jeder bessere Geheimdienstfuzzi und die halbe politische Polizei) auch dazu da, um den Adressaten zu demütigen, in diesem Fall, um eine reale Annährung unmöglich zu machen. Eine ganze Geheimdienstöffentlichkeit soll über den Doktor lachen, die Dame von Hase24 als bösartiges charakterloses Luder dastehen, was ein vollkommen alberner Blödsinn ist.

Wahrscheinlich hat sie einen Haufen Geld für dieses Design bekommen. Wenn sie 100 Euro davon in ein Zugticket investiert, besorge ich ihr ein Dress der Wehrsportgruppe und gliedere sie ein, ich verspreche es.

 

(Bild: Rechte bei der Firma Brickizimo)

 

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