Ulis verzweifelte Botschaft III

Im ersten und im zweiten Teil dieser kleinen Reihe habe ich verschiedene Ebenen geheimdienstlicher und behördlicher Kommunikation und ihr Ineinandergreifen anhand eines Beispiels aus der Welt der antifaschistischen Fernsehsendungen herausgearbeitet.

Als Beispiel habe ich einen grauslichen Film von Ulrich Chaussy gewählt, der mittlerweile Gegenstand von Strafanzeigen geworden ist.

Chaussy entfaltet in diesem Film, wie das bei geheimdienstlich inspirierten Machwerken für die Glotze stets der Fall ist, ein doppelbödiges Gemauschel. Ich habe die Einblendung eines Lagefilms des bayerischen LKA als Beispiel für die Funktionsweise dieser Mauschelei gewählt.

Ohne Titel
Screenshot aus dem Film „Attentäter – Einzeltäter“ von Ulrich Chaussy (2015, Bayerischer Rundfunk)

Für heute war eine Gesamtschau jener Aussagen angekündigt, die Chaussy mit der Einblendung dieses Lagefilms in seine Sendung erreicht.

Wie gesagt, der eingeblendete Lagefilm ist im Kontext von Chaussys Sendung gleichzeitig

  • polizeiliches Dokument,
  • geheimdienstlicher Informationsträger,
  • Befehlstext für Journalisten, und
  • Vehikel für Chaussys eigene Kommunikation.

Das klingt alles ein wenig kompliziert, und das ist es auch, soll es auch sein, damit es nicht jeder versteht, auch nicht jeder Geheimdienstler. Diese Leute desinformieren sich nämlich ständig gegenseitig (auch befreundete Institutionen) und bilden sich etwas auf die entstehenden Informationsgefälle ein.

Der oben abgebildete Lagefilm zeigt jenen Moment in den Oktoberfestermittlungen (am Morgen nach dem Anschlag), als der Chef des bayerischen Staatsschutzes, Hans Langemann, in die Ermittlungen eingreift und Karl Heinz Hoffmann als angeblichen Drahtzieher anscheißen will.

Auf der polizeilichen Ebene wird die Info Langemanns, Köhler sei Anhänger der WSG (später wurde ein Mitglied draus, was falsch ist) einfach als eingehende Mitteilung dokumentiert; auf der geheimdienstlichen Ebene wird Köhler als CIA-Agent geoutet (Rotwelsch, siehe letzte Folge dieser Reihe), und auf der Ebene der journalistischen Anweisung wird der Schutz Köhlers vor Enttarnung gefordert (siehe auch die letzte Folge).

Auf der vierten Ebene der Aussage, die sich aus Chaussy Einblendung dieses Lagefilms an genau dieser Stelle des Films ergibt, kommuniziert Chaussy mit einem Zeitgenossen. Die Einblendung ist ein Hint an jemanden, den er für Rotwelsch sprachkompetent hält.

Ich habe schon angedeutet, dass ich gemeint bin, und ich begründe das wie folgt:

  • Mein Spitzname in Kreisen des polizeilichen Staatsschutzes und des deutschen VS ist „Doktor“, vulgo „Dokter“. Sobald bei mir die Tür aufgeht und die Polente hereinkommt, erschallt der Kosename „Dokter“, man spricht auch in meiner Abwesenheit unter dieser Bezeichnung von mir.
  • Chaussy und ich sind erbitterte Gegner; wir haben seit dem Bestehen des Arbeitskreis NSU, aber auch schon davor und vor allem danach, heftig gegeneinander polemisiert und vertreten gegenteilige Ansichten zu den Hintergründen des Oktoberfestattentats.
  • Chaussy hat sich die Polizeiakten zum Oktoberfestattentat gekrallt und ist straffrei ausgegangen, selbst nachdem man seine Veröffentlichungen daraus im Fernsehen gezeigt hat.
  • Chaussy hatte 2015, als die Debatte um das Oktoberfestattentat auf dem Höhepunkt war und die Wiederaufnahme des Ermittlungsverfahrens noch ein politischer Erfolg für die Linke werden hätte können, allen Grund, mir als nationalistischem Aufklärer das Maul zu stopfen.

Wie macht er das mit der oben gezeigten Einblendung? Ich vereinfache wieder, der Leser kann sich (der Großteil meiner Leser kann das) die Sache genauer ansehen. Betrachten wir die neuralgische Zeile zu Dr. Langemann.

Dr. Lange = Sigi Mayr soll einen Punkt machen mit seinem Gesabbel (la), er hält nicht die Klappe (ng). Aber auch: der Dokter (Sigi Mayr) soll lange einen Punkt machen, lange die Schnauze halten.

Davor steht 10.03 (ein recht banaler Zahlencode) = Ich (Chaussy) mache keinesfalls (0) einen Punkt, ich versuche es erst gar nicht, das zu verschweigen (dass der Mayr quatscht, siehe oben).

Wir sehen also: Chaussy entwickelt hier ein Anweisungs- und Kommandoverhältnis zu mir, das er sich an den Hut stecken kann, so wahr mir Gott helfe. Ich gebe einen feuchten Kehricht darauf, ob Chaussy mich als Aufklärer von Terroranschlägen vor irgendeiner Instanz denunzieren wollte.

Wir hängen an den oben entwickelten Vorsatz jetzt noch den in der letzten Folge interpretierten Informationsgehalt von der verd. Köhler an und sehen, dass sich aus der genannten Zeile des Lagefilms schlicht und einfach eine Anweisung Chaussys an mich ergibt, Köhler doch um Himmels Willen nicht der CIA zur Last zu legen.

Das hat nur den einen Fehler, dass Chaussy mir keine Anweisungen geben kann.

Mayr
Der Autor im Herbst 1977, Polizist ist er nicht geworden

Wäre ich ein Polizist und Chaussy mein Chef, dann ginge das. Es ist aber nicht so. Und auf geheimdienstliches Geraune zum Zweck der Einschüchterung gebe ich nichts.

Zusammengefasst: Ich habe Ihnen mit dieser kleinen Artikel-Reihe ein Beispiel für den routinemäßigen Versuch geheimdienstlicher Kommunikation über das Fernsehen gegeben. Daraus wurde deutlich, dass man über Fernsehsendungen zur Terroraufklärung (und das gilt für die so genannte staatliche Terroraufklärung noch mehr) eine wahrhaft schauerliche Desinformation betreiben und gleichzeitig drohen kann.

Man müsste zum Abschluss noch fragen, warum Chaussy für das Zeigen eines solchen Ausschnitts nicht bestraft wird (§ 356 StGB). Die Antwort ist einfach: Solange der Autor eines solchen Films oder der Betreiber eines Online-Mediums sich nach den Anweisungen der Rotwelsch-Ebene eines Akteninhalts richtet, wird er nicht bestraft.

Tut er das nicht oder klärt er gar die Tatsache auf, dass solche Akten in Rotwelsch abgefasst sind, geht er ins Gefängnis. Bestenfalls ignoriert man ihn und denunziert ihn als paranoiden Trottel. Das ist aber bei mir nicht mehr der Fall.

 

(Screenshot: Bayerischer Rundfunk, Autor U. Chaussy „Attentäter Einzeltäter. Neues zum Oktoberfestattentat“, zweite Fassung Herbst 2015)

 

 

 

 

 

 

Ein Gedanke zu “Ulis verzweifelte Botschaft III

  1. komplett irre?

    Vielen Dank!
    Berührt hat mich dieses unschuldige Kinderfoto trotzdem arg-nun hab ich Gewissheit, mit Kind wär wohl kaum jemand diesen, deinen Weg überhaupt bis hier zu gehen in der Lage. Tim

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s