Briefbomben: Hell mute Silk

Den ersten Schritt zu machen ist nicht immer einfach. Wer einmal ein schüchterner Liebhaber gewesen ist, der wird das beurteilen können.

Aber genug des Entgegenkommens – unsere weiblichen Leser (es sollen mehr als drei sein) müssen im Folgenden wieder mit der harschen Welt des Terrorismus oder des Terrorscheins zurecht kommen.

Im Bild unten sehen Sie links den österreichischen Journalisten Zilk, der in den 80er-Jahren als Bürgermeister der Stadt Wien bekannt geworden ist. Er war Mitglied der SPÖ (Sozialdemokraten) und büßte zum Auftakt der so genannten Briefbombenserie im Jahr 1993 einen Großteil der linken Hand ein.

Seine Frau Dagmar Koller, eine bekannte österreichische Schauspielerin, ist Zilk nach dem Attentat und während der so genannten Briefbombenzeit (1993-1998) in bewundernswerter Weise zur Seite gestanden. Zilk und Koller haben ihr Unglück und ihr Entsetzen vor der Öffentlichkeit nicht verborgen.

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Der ehemalige Wiener Bürgermeister Helmut Zilk (gestorben 2008) mit dem früheren österreichischen Bundeskanzler Werner Faymann

Die Bombe, die Zilk erwischte, soll nach Angaben des österreichischen Sicherheitsbüros bzw. Bundeskriminalamts (damals wie heute ein korrupter Sauhaufen mit polizeilichen Ansätzen, der hier mitschnorchelt und mir die Einreise in die Heimat verleidet) von einem so genannten rechtsradikalen Einzeltäter gekommen sein.

Hier gibt es übrigens eine Anleitung, wie man das österreichische Bundeskriminalamt "selber bauen" kann. 
Einfach ausschneiden und zusammenkleben! Felix Austria Tixo!

Um 1995 gab man gar vor der Meinung zu sein, die Bombe wäre von Neonazis verschickt worden. Die österreichische Unrechtsjustiz strengte sogar einen Prozess gegen einige junge Burschen an, die man zuvor als Nazis abgestempelt hatte (auch hier wieder das Sicherheitsbüro: Das NSU-Verfahren mit seinen „Ermittlungen“ ist ein sauberes Stück Polizeiarbeit dagegen).

Der Prozess platzte nach einem Jahr, als die Täter aus dem Off weiter Sachen hochgehen ließen und die Baupläne der ersten Briefbomben öffentlich machten.

Wie beginnt man die Aufklärung einer solchen Serie von geisteskranken Terrorakten?

Ich fange mit dem Namen des ersten Opfers, Helmut Zilk an. Wie bei einem Romananfang ist auch der Beginn einer geheimdienstlich arrangierten, öffentlichen Schock-Aktion als emblematischer Auftakt zu sehen. Der Terror hat hier zwei Ebenen: An der Oberfläche wird „rechter Terror“ wirksam, die Menschen hören in den Medien von einem rechtsradikalen Anschlag.

Böse Rechte sprengen einem Sozialisten die Hand weg.

Auf der geheimdienstlichen Ebene wird dagegen Rotwelsch gezischt, die konspirierende Sekundäröffentlichkeit wird aufgescheucht. Wichtigtuerei, Angst und Unruhe herrschen auch dort. Das Opfer heißt Helmut Zilk, und das klingt so knüppeldick Rotwelsch, dass es kaum aufdringlicher geht. Helmut, das bedeutet schweig, zur Hölle. Und Zilk?

Könnte ein Eigenname, ein Spitzname sein. Schweigen müsste dann jemand, der Silk oder so ähnlich heißt. Könnte einer sein, der Seidenfäden spinnt oder ein Fischer, der scherzhaft Silk genannt wird, weil er statt Seemannsgarn Märchen über Süßwasserfische erzählt (Angelschnüre nennt man auch Silk).

Ich weiß, das klingt ein wenig seltsam für meine Leser, sie sind es nicht gewohnt, dass so etwas offen ausgesprochen wird. Jetzt heißt es nur noch herausfinden, wer dieser Silk ist und warum er zur Hölle schweigen muss. Das könnte zufällig auch jemand wissen, der nicht ganz so perfekt Rotwelsch spricht.

Was für eine widerliche Schweinerei, Bombenopfer nach dem Klang ihres Namens auszusuchen. An Stelle der Arschlöcher, die sich solche geisteskranken Wortspiele aus den Fingern saugen drücke ich Frau Koller mein ehrliches Mitgefühl aus. Außer heuchlerischem Getue  hat sie in dieser Sache damals nichts zu hören bekommen.

Ich habe Wortspiele im Grunde schon immer gehasst, sie sind das Gegenteil von Literatur.

 

(Bild: Werner Faymann, private Aufnahme, CC BY-SA 2.0)

 

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