Ulis verzweifelte Botschaft I

Die Leute des bayerischen Staatsschutzes hatten eine schwere Nacht vom 26. auf den 27. September 1980. In den beiden Stunden vor Mitternacht mussten Tatortgruppen aufgestellt und ausgeschickt werden, die die Spuren am Tatort (Eingang der Teresienwiese) zu sichern und die Panik der Menschen einzuhegen hatten.

Im Lagezentrum in der Staatskanzlei führte ein Beamter, den ich hier nicht namentlich nenne (weil er noch lebt), das Einsatztagebuch.

Man muss sich ein solches Lagezentrum vorstellen wie eine Zeitungsredaktion, in der die Meldungen ein- und ausgehen, ein Chefredakteur Prioritäten setzt und Aufgaben verteilt und wo viel geraucht wird (Hollywoodfilme aus den 70ern zeigen das recht anschaulich).

Die eingehenden Meldungen und ihre Interpretation durch die Leitung (also die Grundlinie der Informationsverarbeitung) werden in einem so genannten Lagefilm festgehalten, der die Wissensentwicklung der im Lagezentrum geführten Ermittlungseinheit dokumentiert. Solche Lagefilme sind tabellarisch strukturiert und erlauben eine komfortable Rekonstruktion der behördlichen Handlungen und der offiziellen Informationsflüsse.

Lagefilme sind recht schwer zu fälschen, weil viele Menschen die Inhalte kennen und weil eine innere Logik vorherrscht, die durch das Handwerk der Polizei vorgegeben ist.

Ein Lagefilm zeigt naturgemäß aber auch Tiefenschichten der behördlichen Willensbildung. Man war 1980 so blöd (und ist es heute noch zum Teil) neben den polizeilichen Kommunikationsvorgängen auch die geheimdienstlichen Kommunikationsvorgänge in Lagefilmen abzubilden.

Das ist selbstverständlich illegal, weil in der BRD eine direkte Einflussnahme, gar eine Befehlsgewalt der Geheimdienste über die Ermittlungspersonen der Staatsanwaltschaft (also die Polizei) verboten ist. Polizisten dürfen keine Geheimdienstler sein. Sie sind es trotzdem, und zwar zum allergrößten Teil.

Hier sehen Sie einen Screenshot aus einem Lagefilm, den Ulrich Chaussy in eine Dokumentation über das Oktoberfestattentat eingeblendet hat. Der abgebildete Ausschnitt zeigt genau jenen Moment, in dem der Chef des bayerischen Staatsschutzes die Wehrsportgruppe Hoffmann „in die Pfanne hauen will“, indem er einen Bezug zwischen dem angeblichen Täter Köhler und der Wehrsportgruppe herstellt.

8.1.2018
Der paranoide Blog-Autor, 8.1. 2018

Übermorgen werde ich zeigen, wie der Autor dieses Lagefilms die geheimdienstlichen Hintergründe von Langemanns Intervention darstellt, wie er sie begründet und warum Chaussy ausgerechnet diesen Ausschnitt in seine Doku einblendet. Es gibt auch Futter für diejenigen, die mich für schwer verrückt erklären: Chaussy spricht über den Ausschnitt mit Sigi Mayr, dem Autor dieses Blogs.

Was es nicht alles gibt in der rotwelschen Welt.

 

 

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