Briefbombe: Lauschangriff

In den folgenden Monaten werde ich auf diesem Blog den Versuch machen, die Hintergründe der österreichischen Briefbombenserie 1993-1997 zusammenhängend darzustellen. Am Ende wird es sich zeigen, dass der Popanz dieser Serie und ihre so genannte juristische Aufarbeitung der Beginn des aussichtslosen Todeskampfes traditioneller Geheimdienstarbeit war.

Auch Mundlos und Böhnhardt sind in diesem Todeskampf gestorben, nicht nur Franz Fuchs. Obwohl die Jenenser, genauso wenig wie Fuchs, je etwas mit Briefbomben zu tun hatten, wird man deutlich sehen, dass der so genannte NSU, wie die österreichischen Briefbomben, gespenstische Drohgebärden des von der modernen Technik bedrohten Rotwelsch quatschenden Apparates der Dienste waren und nicht nur deshalb zusammengehören.

taz, 1995
taz. die tageszeitung. 21.6.1995, S. 8 (Ausland)

Im Jahr 1995, lange vor einem NSU und vor Franz Fuchs, war man auf der Suche nach Tätern für Verbrechen, die symbolisch bestimmten Leuten das Maul stopfen sollten. Der traditionelle Geheimdienstapparat kommuniziert mit Blut und Wortspielen; und er führt beides kabbalistisch in die Realität ein.

Das soll den Eindruck totaler, überzeitlicher, übermenschlicher Macht erwecken und einen blöd machen. Man soll gleichzeitig vor Ehrfurcht erschauern und sich Rätsel ratend in die Hosen scheißen.

Wie ein Lauschangriff (was für ein saublödes Wort), über die Presse in Rotwelsch kommuniziert, eben gleichzeitig verstärkte Überwachung heißt und symbolische Drohung sein kann: „Lauschangriffes“, hieß es in der CIA-hörigen taz 1995, La (über das was du gesungen hast, deine Aussage), u (du) sch (schweigst) a (über den Täter) n (nicht) g (schweigst du) riff (es wird dir nicht gut bekommen) es (darum schweigst du lieber).

NSU, du quatschst über die Täter. Sag lieber nichts über die Täter, kläre nicht auf.

Der ungeheure Aufwand des nationalen Lauschangriffs proklamierte 1995 in Österreich ein Aufklärungsverbot, das unter Todesdrohung gelten sollte. Beim NSU war es genauso.

 

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