Mietpreissenkung: Gondel

Die werten Leser werden es schon bemerkt haben, ich mute Ihnen in letzter Zeit absurde Dinge zu. Waschmaschinen, Rotwelsch, Innenminister außer Kontrolle, flotte Miezen.

Heute wird es besonders schlimm.

Im Rahmen der Mietpreissenkung, also der Drohung, dass der Jung in die Grub geht, wenn er die Miez preist, müssen im Fall einer großen Liebe besondere Methoden angewandt werden. Das gilt auch für die Urzeit (der Technologie).

So in den 70er-Jahren, stellen Sie sich vor, in irgend einem Proletenhaushalt in der österreichischen Provinz, da steht in der Ecke der Stube ein Divan mit abgewetzten Decken drauf. Es ist Frühling, der würzige Wind weht herein. Die Oma richtet ein Bier und Wurst für die Gäste.

Auf dem Fernseher steht ein Plastikobjekt, die Miniatur einer so genannten venezianischen Gondel. Der Gondoliere hat in seiner Hand ein Ruder und einen Hut mit einer Schleife auf dem Kopf.

Unbenannt
Deutsches Mädel mit dem Firmenlogo der US-Chip-Firma Dell im Gesicht

Und im Gehirn des Jungen, der da unter dem Fernseher spielt? Was steckt da?

Richtig! Ein Chip der Firma Dell. So ein Geraffel, mit dem man einen Menschen fernsteuern kann.

Ach so, ich vergaß, es ist ja die Urzeit der Technologie, 1977, da gab es das alles noch nicht, kein Internet, keine leistungsfähigen Mikrochips. Zugegeben, die Diskrepanzphilosophie gab es schon, aber sonst – nix. Völlig unmöglich, dass es da zur Fernsteuerung eines Menschen gekommen wäre.

Atome wurden schon 1938 gespalten, war auch nicht einfach. Vierzig Jahre vorher. Denkbar, dass uns da was verschwiegen worden ist. Ein Mikrochip ist einfach ein kleiner Schaltkreis; Otto Hahn hat damals Chips selbst gebastelt.

Und die Gondel? Was könnte uns das auf Rotwelsch sagen? Die wurstfressenden Proleten sind nämlich grausliche Geheimdienstprofis, habe ich mir sagen lassen. Die reden so gut Rotwelsch wie der Bauer die Sau füttert.

G – on – del = g (Kürzel für schweig) – on (Chiffre für Ausspähen, begleiten) – del (Mikrochip)= Halt die Schnauze dass wir an dem Buben mit dem Chip dran sind.

Oder, zusammenhängend mit den Details der Gondel interpretiert:

Gon – del = gone (verreckt er) – del (der Chipjunge bzw. tell, also: sag ich dir) der Gondoliere mit seinem Hut auf dem Kopf (hüte dich!) und dem Ruder (engl. rude er, forsch ist er) in der Hand (hant, bitter für ihn) = wenn er erotisch direkt wird verreckt er der Junge.

Im Rahmen dieser Urzeit-Phantasie wurde dem Chipjungen also nicht an der Wiege sondern am Chip gesungen, dass er verreckt, wenn er in romantischen Dingen forsch ist.

An das Mädel wird er sich nicht annähern dürfen.

 

Dieser Beitrag ist Teil der Reihe Mietpreissenkung, die chronologisch gelesen werden kann (neuester Beitrag ganz oben).

(Bundesarchiv, Bild 119-5592-15A / CC-BY-SA 3.0, bearbeitet)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s