Rekonstruktion Oktoberfestattentat I

Ich werde in den folgenden Tagen versuchen, dem Leser einen Eindruck zu verschaffen von dem behördeninternen Schriftverkehr unmittelbar nach dem Oktoberfestattentat. Im Rahmen dieses Kommunikationsprozesses orientierten sich die Verantwortungsträger der BRD gegenseitig über die Vorgaben der Besatzer zur weiteren Vorgangsweise sowie die Hintergründe und Konsequenzen des Attentats.

Am Abend des Attentats versuchte Franz Josef Strauß bereits, die Israelis, die Ausführenden des Massenmords, zu beschwichtigen. Er war im Bilde, dass ihn die CIA bei den Israelis angeschwärzt hatte.

Weil Franz Josef Strauß gegen den Willen der USA mit der DDR Geschäfte gemacht hatte, die zum Nachteil Israels waren (es wird noch zu zeigen sein, welche Geschäfte das genau waren) hatten die Orientalen beschlossen, dem bayerischen Ministerpräsidenten eins auf den Latz zu geben und einen Massenmord auf der Wiesn zu begehen.

Der damalige Innenminister Baum übernahm dabei eine undurchsichtige Rolle; ich könnte diese hier näher ausführen, fordere ihn aber zuvor auf, mit mir zu sprechen. Er kann mich einfach anrufen.

Das BKA (also die CIA) machte bereits nach wenigen Tagen verbindliche Vorgaben an die BRD-Vasallen, dass die israelische Herkunft der Bombe zu verschleiern und anderen Kräften (deutschen Rechtsextremisten) anzulasten sei (vgl. dazu die Anweisung 3 Bombs). Diese Vorgabe enthält auch die desinformatorische Zurechnung des alten CIA-Mannes Strauß zu den Briten (!), die man in London mit Kopfschütteln zur Kenntnis genommen haben wird.

Pressemitteilung BMI
Pressemitteilung des Bundesinnenministeriums, 29. September 1980

Oben ist der Anfang einer Pressemitteilung zu sehen, die das Bundesinnenministerium am 29. September, also drei Tage nach dem Attentat, herausgab. Im Text dieser Pressemitteilung ist das Wesentliche enthalten, auf Geheimdienst-Rotwelsch. Es handelt sich offenbar um eine Reaktion auf die oben genannten Vorgaben der CIA.

(Ich kann an dieser Stelle keine vollständige Analyse vornehmen, es genügen die Darstellung des Tenors und einzelner Aussagen. Eine vollständige Aufarbeitung würde mir nach wie vor das Leben kosten. Die Kabbalistik der Geheimdienste, vor der mich ekelt, habe ich nicht erfunden; der Kram ist so gemacht, dass früher jeder Analytiker als Spinner dastehen musste. Diese Zeiten sind allerdings vorbei.)

Fangen wir oben an: Der Sachbearbeiter heißt Siegerle, was man als rotwelsche Formel für s – ie – ger – le deuten kann, ich schweige zum Kredit an die Deutschen (ger =DDR und le, len = finanzielle Zuwendung). Gemeint sind hier die illegalen Beigaben der offiziellen Kredite.

Die Überschrift der Aussendung beginnt mit den Worten:

Bild-Zeitung lehnt Artikel = bil – d- zei – tung – lehn – t – A – r – t – i – k – e – l = Das ist deine Quittung, man nimmt dir die Scheiße übel dass du den Kredit ausgeplaudert hast, du bist schuld aber ich sage, dass du unschuldig bist.

Die ersten drei Worte sind traditionelles Rotwelsch, dann kommt es zu einer Codierung in Einzelbuchstaben (Dualismus zwischen A und K, Schuld und Unschuld, eine traditionelle Zwangsvorstellung aller Geheimdienstler).

Auch den Anfang des ersten Satzes der Pressemitteilung kann man recht deutlich entziffern: Die Chefredaktion der Bild-Zeitung hat gestern = Ich hab eine Rückmeldung vom Vorgesetzten (!) dass du die Israelis angeeckt hast, hör auf über die Version der CIA zu lachen, nimm sie ernst, es fehlt eine entsprechende Geste von dir.

Hier ist das Einschwenken auf die offizielle Linie der Bundesregierung angemahnt. Strauß dürfte die Köhler-Legende zu Beginn nicht ernst genommen haben.

Man mag es lustig finden, dass erwachsene Leute auf höchster politischer Ebene in Floskeln aus der frühen Neuzeit miteinander kommunizieren; und doch ist das Realität, genauso wie der Umstand, dass man Sachbearbeiter nach der rotwelschen Deutbarkeit ihres Namens auswählt. So ist die Welt.

Fassen wir zusammen: Vom Bundesministerium des Inneren ergeht Ende September 1980 die Botschaft an Franz Josef Strauß, man werde ihn zu decken versuchen wenn er auch schuld sei an der Verärgerung der Israelis, die zum Blutbad auf der Wiesn geführt hat.

 

(Bild: Bundesinnenministerium/ Bundesarchiv, Zitatrecht)

 

 

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