Geheimdienst-Rotwelsch-Grundkurs

Nachdem einige meiner Leser nachgefragt haben, was denn das sei, das Geheimdienst-Rotwelsch, werde ich heute ein paar grundsätzliche Worte dazu sagen und einfache Beispiele für die Funktionsweise dieses Soziolekts geben.

Zunächst ist festzuhalten: Die heute von einem großen Teil der bundesdeutschen Bevölkerung gesprochene mit jiddischen und Amisprech-Elementen durchsetzte Varietät des historischen Rotwelsch wird  von westlichen Geheimdiensten als Alltagssprache benutzt.

Das gilt vor allem für die CIA und ihre Vertrauensleute in Deutschland und Österreich sowie die angeschlossenen Satellitendienste und Machtträger (Verfassungschutzämter, Justiz, Polizeibehörden, aber auch Wirtschaft und Politik) und für die israelische Lobby in Mitteleuropa.

Mikrochip, 1992
Mikrochip der Firma DELL, 1992

Die hier interessierende Varietät des Rotwelsch ist alles andere als geheim, sie wird offen gesprochen. Grundlegendes Funktionsprinzip dieser Sprache ist es, die Wortebene als (satzähnliche) semantische Periode zu nutzen, wobei die semantischen Binnen-Wortelemente durch einzelne Silben repräsentiert sind:

Mietpreissenkung

ist demnach zum Beispiel zusammengesetzt aus

Miet – preis – senk – ung

Miet (miet = frühneuhochdeutsch Kätzchen, junge weibliche Person)

preis (preis = frühneuhochdeutsch loben, verehren, wertschätzen, aber auch Ausdruck für Kosten aller Art)

senk (Kürzel für Senke = Grube, Grab)

ung (anlautend jung = Kürzel für Junge, allgemein männliche Person)

Zudem können einzelne Buchstaben als wortäquivalente Elemente im semantischen Binnenzusammenhang des Wortes oder der Wortverbindungen verwendet werden (Kürzel). Das gilt zum Beispiel für Buchstaben wie k (Katz, weibliche Person, aber auch Unschuldslamm) oder p (pla = frühneuhochdeutsch reden, schwätzen).

Auch semantische Leerstellen kommen lautlich repräsentiert vor, etwa das Schwa (e), das wie in der Umgangssprache aber auch verstärkend eingesetzt werden kann.

Im scheinbar normalen Wortfluss der deutschen Sprache lassen sich beim rotwelschen Sprechen konzentrierte Bedeutungsinhalte verstecken bzw. präsentieren, je nach Perspektive oder Kompetenz des Zuhörers. Das gilt sowohl für die gesprochene als auch die geschriebene Sprache.

Routinierte Sprecher des Rotwelsch können mühelos parallel zwei Unterhaltungen führen, das gilt im Geheimdienstmilieu als normal. Üblich ist auch die gestische und bildliche Repräsentation der rotwelsch vorgetragenen Sätze.

Der gemeine deutsche CIA-Mann spricht mit Händen und Füßen, und wenn er stehen bleibt, dann kann das abhängig vom Kontext heißen:

Stehen bleiben

St – e – hen – blei – ben

St (schweigt) – e (z.B. bekräftigendes Schwa) – hen (die Frau) – blei (die Ermordung) – ben (der Jude)

Der Kontext einer solchen Aussage liefert die syntaktische Einordnung der einzelnen Elemente. So könnte der gestische Satz unseres Ami-Agenten heißen:

Die Frau schweigt eh über den Mord durch den Juden.

Abhängig vom Kontext könnten auch andere Deutungen in Frage kommen; ich will hier aber nicht die Leser überfordern. Schließlich ist es anstrengend, dauerhaft so zu tun als kennte man diese Sprache nicht.

Der Kram ist ohnehin veraltet; die Technologie stellt viel bessere Verschlüsselungsmethoden bereit, und sie werden längst angewandt. Auf der Brennsuppn daherg´schwommen (auf der Wassersuppe herangerudert, Anm. Mayr) ist die CIA sicher nicht.

Widerstand ist zwecklos. Es steht alles in den Akten. Man war blöd genug, behördlichen Schriftverkehr jahrzehntelang auf Rotwelsch abzuwickeln, zum Beispiel bei der Vertuschung der Hintergründe des Oktoberfestattentats oder beim NSU.

 

(Bild: UberpenguinCC BY-SA 3.0)

 

 

2 Gedanken zu “Geheimdienst-Rotwelsch-Grundkurs

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