Mein Bruder der Techniker: Anteros

Zum Jahreswechsel die Nachdichtung eines romantischen Gedichts aus Frankreich; es stammt von dem Nationalisten Gérard de Nerval, einem glühenden Verehrer Napoleons und zukunftsgewandten Freund der Technik.

Allen Freunden des Blogs und auch seinen Gegnern einen guten Rutsch!

Anteros

Tu demandes pourquoi j’ai tant de rage au cœur
Et sur un col flexible une tête indomptée ;
C’est que je suis issu de la race d’Antée,
Je retourne les dards contre le dieu vainqueur.

Oui, je suis de ceux-là qu’inspire le Vengeur,
Il m’a marqué le front de sa lèvre irritée,
Sous la pâleur d’Abel, hélas ! ensanglantée,
J’ai parfois de Caïn l’implacable rougeur !

Jéhovah ! le dernier, vaincu par ton génie,
Qui, du fond des enfers, criait : « Ô tyrannie ! »
C’est mon aïeul Bélus ou mon père Dagon…

Ils m’ont plongé trois fois dans les eaux du Cocyte,
Et protégeant tout seul ma mère Amalécyte,
Je ressème à ses pieds les dents du vieux dragon.

(aus: Les Chiméres, Paris 1856)

Fragst du, warum ich solche Wut im Herzen trage

und einen wilden Kopf auf schwachem Hals?

Das kommt, weil ich vom Schlag des neuen Menschen bin.

Meine Waffen richte ich gegen die Sieger.

Ich bin einer von denen, die den Rächer beseelen,

seine zitternden Lippen, die er mir staunend zeigt.

Ach! unter des Opfers blutiger Blässe zeigt sich

bei mir manchmal die harte Röte des Mörders.

Gott der Juden, der letzte den du geschlagen

vom Grund der Hölle schreit er gegen dich;

vielleicht mein Bruder, vielleicht mein Vater…

Ich bin mit allen Wassern gewaschen, dreimal ersäuft;

meine Mutter schütze ich noch. 

Zu Jehovas Füßen säe ich die Zähne des alten Drachen.

 

Plakat der technischen Nothilfe
Aufruf der Technischen Nothilfe, 1933

 

(Bild: Bundesarchiv, Plakat 003-017-001 / CC-BY-SA)

Ein Gedanke zu “Mein Bruder der Techniker: Anteros

  1. Anteros

    Ich gehe manchmal in rauhen Nächten

    Zur Wotanseiche in den stillen Hain,
    Mit dunklen Mächten einen Bund zu flechten –
    Die Runen zaubert mir der Mondenschein.

    Und alle, die am Tage sich erfrechten,
    Sie werden vor der Zauberformel klein!
    Sie ziehen blank – doch statt den Strauß zu fechten,
    Erstarren sie zu Stalagmitgestein.

    So scheiden sich die Falschen von den Echten –
    Ich greife in das Fibelnest hinein
    Und gebe dann den Guten und Gerechten
    Mit meiner Formel Segen und Gedeihn.

    -Im Felde, 1916-

    -18-

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