NSU: Zum Thema Rotwelsch

Erwartungsgemäß wurden in den vergangenen Tagen schüchtern und vereinzelt Fragen laut, wie man es wagen könne, das Geheimdienst-Rotwelsch, diese uralte und durch moderne Einsprengsel bereicherte Gaunersprache, offen im Internet zu thematisieren. So etwas gibt es doch gar nicht, Unsinn!, in solche Phrasen geruhten die aufgescheuchten Agenten ihre schon resignative Empörung zu verpacken.

Die Tatsache, dass einige wenige meiner Leser allen Ernstes die Existenz dieser Varietät des Rotwelschen leugnen, könnte man mit der Vorstellung vergleichen, dass eine Handvoll Männer ein Kaffeehaus betreten im Ansinnen, dem Kellner zu erklären, man habe ja eh keinen Schwanz zwischen den Beinen und sei auch sonst körperlich schwer abartig.

Eine kurze Prüfung müsste ergeben: Die Herren sind ganz normal.

Sie leugnen bloß, was ihnen da zwischen den Beinen hängt, warum auch immer.

Louis Ferdinand Céline
Der französische Dichter Louis Ferdinand Céline (1894-1961)

Der Gesichtsausdruck Célines hat mich immer an den frühen Billy Idol erinnert; und so ähnlich würde ich einem Rotwelsch-Leugner auf diesem Blog entgegen treten. Junge, würde ich sagen, wer ein Wort wie Mietpreissenkung, offen im Netz diskutiert, nach einem Leben voller rotwelschem Gemauschel allein als Wort für die preisliche Senkung einer Wohnungsmiete (sicher, Geschäftsräume gibt es auch) hinstellen will, der soll sich zum Teufel scheren.

Ich werde auf diesem Blog behördliche Dokumente auf der Ebene des Rotwelschen analysieren, so lange, bis den Verantwortlichen der Arsch auf Grundeis geht oder man mich aus Verzweiflung in den Bau sperrt.

Es lässt sich auch leugnen, dass es Norwegisch oder Französisch gibt und das macht gar nichts; die Norweger und Franzosen verlieren im Ernstfall schnell die Lust am Leugnen. Darauf kann man sich verlassen.

10-20 Prozent der deutschen Bevölkerung sprechen nach meiner Einschätzung modernes Geheimdienst-Rotwelsch. Das dürfte ungefähr der Anteil der V-Leute an der hiesigen Bevölkerung sein. Die einen reden besser, die anderen schlechter. Es soll sogar Leute geben, die daraus eine Kunst machen, wie auch immer, Menschen, die sich mit dieser makabren Esoterik die Zeit vertreiben in der Zone der Kopfschüsse.

Ein Soziolekt halt, wie es ihn bei den katholischen polnischen Metzgern, den hessischen Schustern, in der Pädophilen-Szene der protestantischen Kirchen und sonst wo gibt.

 

(Bild: Aus dem Reisepass von Céline, Quelle unbekannt, im Netz als gemeinfrei deklariert).

6 Gedanken zu “NSU: Zum Thema Rotwelsch

  1. Adebar

    Lieber Herr Mayr!

    Rotwelch als solches, habe ich nicht angezweifelt, das ist bekannt, Zigeunersprache. Merkwürdig fand ich die Interpretation von Bildern und das Trennen von Wörtern auf verschiedene Weise, die dann, je nach dem wo das Wort getrennt wird, einen unterschiedlichen Sinn ergibt. Wer sagt mir das da nicht nach gut Gusto Bilder und Wörter ausgelegt werden?

    Ich will nicht ausschließen das Sie sich im Recht befinden und Rotwelsch tatsächlich so funktioniert, aber ich bin in meinem Leben zum Skeptiker geworden, mir ist das irgendwie zu absurd. Tut mir Leid, aber so bin ich und ich kann einfach nicht über meinen Schatten springen und etwas glauben, was ich selbst nicht nachvollziehbar überprüfen oder beweisen kann.

    Sie mögen mir bitte meine Skepsis verzeihen. Ihnen wünsche ich alles erdenklich Gute, es kommen auch wieder bessere Zeiten für uns und unser Land.

    Adebar

    (Nachsatz: Man sagt uns Norddeutschen eine gewisse Sturheit nach. 😉 )

    Gefällt mir

    1. Genau das ist der Sinn dieser Gaunersprache: Man soll es nicht eindeutig beweisen können, was gesagt wird. Sonst wäre es ja keine Gaunersprache. – Man kann es aber beweisen: der Denkfehler der Gauner besteht darin, dass jede Sprache in ihren Sätzen beliebig auslegbar ist und die Gauner den Kontext nicht mehr verschweigen können (Akten-Leaks, damit wird die Gaunersprache zur normalen Sprache). Habe ich den Satz und den Kontext, dann kann ich verstehen. Verstehen ist nie beweisen. Wenn einer sagt: Ich gehe zum Klo, dann kann er urinieren, das Klo reparieren oder beim Klo ein schönes Bild aufhängen. – Den Kontext liefere ich hier, der fehlt nämlich normalerweise (weil ein Geheimdienst Kontexte grundsätzlich verschweigen oder und das häufiger, falsch setzen muss), und das soll der Witz sein. Danke für die Rückmeldung. LG, Mayr

      Gefällt mir

  2. schon mal hier gewesen

    Historische Betrachtungen.
    https://totoweise.files.wordpress.com/2011/09/32772448-leers-johann-von-wie-kam-der-jude-zum-geld-1939-67-s-scan-fraktur.pdf

    S.25 (Originalbuchseite)
    „Wenn noch heute die Verbrechersprache in ganz Europa hebräische Fachausdrücke hat, so stammt dies aus der Zeit, als auf diese Weise aller Gaunerverkehr im Lande sich bei den Juden zusammenfand.“

    Man lese Originalbuchseite 23ff.-26 dazu-auch das ganze Buch (…)

    Gefällt mir

      1. schon mal hier gewesen

        Nanu?
        Seit wann ist u.a. „hysterisches Gewurstel“, der Hinweis, dass das in dieser Zeit (1940) geschriebene Buch übelstes antisemitisches Irrwerk ist?
        Willst du mich ins falsche Licht stellen?
        Ich empfehle für’s heute nur noch Broder, pi, compact, AfD, tychi, j. fritz, sezession, Teenenbom u.ä.
        Damit mir nicht noch unlautere Dinge passieren, bringst du das jetzt, oder du löscht BITTE endlich wenn schon alle meine Kommentare!

        OLG

        Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s