Chelsea Manning: The Cat

Der zweite Kopf unserer kleinen Reihe zum Jahreswechsel ist ebenfalls ein US-Amerikaner. Heute lebt dieser Mensch als Frau, und gerade seine Existenz als Frau ist es, die uns hier interessiert.

Manning soll vor einigen Jahren scheinbar geheime Dokumente ins Internet hochgeladen haben, ausgerechnet vom Irak aus, in Uniform und als Soldat. Mit diesen  Dokumenten sollen der ehrlose US-amerikanische Staat und seine ekelhaften Geheimdienste schwer blamiert worden sein, von Tötungsvideos war die Rede und Botschaftskabeln. Kurz darauf wurde Manning verhaftet und später zu einer drakonischen Gefängnisstrafe verurteilt.

Bradley Manning
Der US-amerikanische Soldat Bradley Manning, heute bekannt als Chelsea

Betrachten wir das Bild dieses legendären Leakers, der dem Silberrücken Julian Assange (dieser Spezialist schwebt mir als nächster Kopf unserer Reihe vor) und seiner Plattform Wikileaks zu strahlendem Ruhm verholfen hat. Abgebildet ist ein Bursche mit Pickeln, ein leicht verunsicherter Mensch; im Geheimdienstjargon, der aus dummen und abstoßenden, jiddelnden Wortrümpfen gebildet ist, würde man einen solchen Typen ein Cat nennen, einen unschuldigen Deppen.

Es gehört nicht viel Phantasie dazu sich vorzustellen, dass Manning von einem skrupellosen, bei den Frauen erfolgreichen Mann mit silbernen Haaren ins Unglück gestürzt worden ist. Böse Zungen behaupten, Assange hätte den Dreck auch vom eigenen Sofa aus hochladen können wollte aber an diesem Abend nicht.

Manning the Cat wurde in seiner Haftzeit gefoltert, und in der Sprache der Geheimdienste bedeutet seine schließliche Geschlechtsumwandlung: Wenn du auch ein Cat bist, naiv und deppert, wir bestrafen dich für deine Unbotmäßigkeiten so, dass du danach nicht mehr weißt, ob du Männlein oder Weiblein bist.

Mir tut Manning nicht leid. Offenkundig handelt es sich bei diesem Menschen um einen verwahrlosten Kerl mit moralischen Zwangsvorstellungen, wahrscheinlich sogar um einen Christen. Ich würde viel darum geben, als Cat gelten zu können, obwohl ich sicher genauso naiv und deppert bin wie er. Zumindest daran kann es kaum einen Zweifel geben.

Wieder bemerkt der Leser meinen Neid; ob mich Manning wohl für diesen Text beneiden würde? Ich bin mir da nicht sicher und wünsche noch einen schönen Feiertag.

 

(Bild: gemeinfrei, unbekannte Amiquelle)

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